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Bürgermeister-Schmitt-Straße

Als nach dem Krieg 1914/18 die Feldzugsteilnehmer zurückkehrten, herrschte in Lindenberg eine drückende Wohnungsnot.

Sowohl mit Rücksicht auf die Gesundheitsverhältnisse wie auf das Bedürfnis der Gründung von Familien, dem in den beiden letzten Kriegsjahren kaum mehr entsprochen werden konnte, entschloss sich die Stadtverwaltung, mehrere Wohnungen zu schaffen.  Zum Glück hatte seinerzeit die Stadt die Grundstücke nördlich der Nadenbergstraße und südlich der Jägerstraße (ehemals zum Feßlerschen Gut, Hauptstraße 27 gehörig) erworben. Auf diesem Felde sollte nun die „Wohnhauskolonie“ nach den Plänen des Architekten Noris, München, mit 28 Häusern zu je zwei oder vier Wohnungen entstehen.

 

In gemeinsamer Sitzung haben die beiden Kollegien am 2. April 1919 in einmütiger Beschlussfassung dem Vorschlag von Bürgermeister Schmitt zugestimmt. Das erste fertige Haus konnte schon am

1. November 1919 bezogen werden. Der Anlage des Einzelhauses für zwei Familien  mit 160 – 200 qm Garten wurde gegenüber den Reihenhäusern, die allerdings etwas billiger gekommen wären, der Vorzug gegeben. Keines der Häuser hatte ein störendes Gegenüber, eines sollte gegen das andere versetzt sein, so dass Licht und Sonne um jedes Haus freien Spielraum hatten. Acht Häuser wurden noch in den Wintermonaten 1919/20 fertiggestellt und bezogen, zwei weitere wurden im Frühjahr 1920 bewohnbar. Aber schon im Frühjahr 1920 wurde die unheilvolle Inflation bemerkbar, die jeden Bau bis auf weiteres unmöglich machte. Obwohl zur Finanzierung der Neubauten der Staat, die Industrie und das Gewerbe beigetragen hatten, war ein Weiterbauen in den kommenden Jahren unmöglich geworden. Erst 1925 sahen wir wieder einzelne Bauten erstehen. Die Stadt baute noch zwei Häuser mit je vier Wohnungen, Mayser-Milz und Co. zwei Häuser mit je fünf Wohnungen, die Firma Ottmar Reich, die Reichsbahn, die Post und zwei Private ergänzten im Lauf der Jahre die Wohnkolonie.

 

Die leichte Schwingung der Straße hat angenehme Straßenbilder gegeben, die im Erdgeschoss gemauerten und im oberen Geschoss mit Riegelbau und Schindelanschlag gefertigten Häuser machten einen guten Eindruck. Nur die Dächer, die mit schwarzer Dachpappe gelegt waren, störten das Gesamtbild. Nach einigen Jahren wurden die Dächer mit grüner Farbe gestrichen, was einen komischen Eindruck machte und den Spottnamen „Chinesenviertel“ aufkommen ließ.

 

Der Städtische Verwaltungsausschuss hatte am 29. August 1924 den Vorschlag gebracht, die Rathausstraße in Bürgermeister-Schmitt-Straße umzubenennen. Die beiden Kollegien hatten aber dann in der Sitzung vom 3. September 1924, einstimmig beschlossen, die Wohnhauskolonie, die doch ausschließlich ein Werk von Bürgermeister Schmitt war, in dankbarer Erinnerung die Bezeichnung „Bürgermeister-Schmitt-Straße“ zu geben. Im Laufe der Jahre ging die Mehrzahl der Häuser in Privatbesitz über; die Häuser wurden mit rötlichen Schieferplatten eingedeckt, der freie Platz erhielt erst in den Jahren 1930/33 sein heutiges gepflegtes Aussehen.

nach: Leonhard Kleinle (Zeitung 1947?)