Die Färberstraße zweigt zwischen Haus Nr. 33 und Nr. 35 von der Hauptstraße in südlicher Richtung ab, geht in dieser Führung in eine Sackgasse, von der einst ein Fußweg zur östlichen Hochgratstraße [heute zur Baumeister-Specht-Straße] führte. Die Färberstraße geht in einer Linkskurve gegen Osten und bleibt in dieser Richtung bis zur Einmündung in die Glasbühlstraße [heute bis zur Alemannenstraße]. Im Laufe von mehr als hundert Jahren musste sich dies Straße vom einstigen „Trieb- und Trattweg“ mühsam zu ihrer heutigen Berufung heraufkämpfen. Nur ein einziges landwirtschaftliches „Gütle“ und ein halbes Dutzend „Leerhäusler“ waren die Anrainer. Die ältesten Haus-Nummern sind Nr. 1, 2, 4, 9, 11,13, 15/17 und 18. Sie bestanden schon bei der Vereinödung 1771. Dass aber diese Straße bis 1902 eine Sackgasse war, wird noch älteren Generationen in Erinnerung sein. Über den Moosbach führte nur ein Fußgängersteig weiter gegen Ellgassen. Diesen Steg zu erhalten lag nicht der Gemeinde auf, sondern den Bewohnern der Glasbühlstraße, der Ellgasserstraße und der Ortschaft Ellgassen. Sie hatten nämlich ihren „Tauf- und Kirchenweg“ gen Lindenberg seit urdenklichen Zeiten über die heutige Färberstraße. Ihren Fahrweg hatten sie zum Teil über die Glasbühl- und über die Ellgasserstraße. Lesen wir jedoch , was Johann Hutter, Bürgermeister der Marktgemeinde Lindenberg von 1842 bis 1860 am 9.3.1843 in das Gemeindeprotokoll schrieb: Weil seit vielen Jahren und auch wirklich (gegenwärtig) wegen dem Steg über den Bach bei Plan Nr. 110 ein Streit ist, aber nirgends Schriften zu finden sind, wer ihn machen muss, so wurden unterm heutigen alle diejenigen Ellgasser und anderen Straßen gen Lindenberg wohnenden, zur Gemeindeversammlung vorgeladen, um eine Klage zu Ende zu machen. Ein glänzender Erfolg war ihm beschieden, denn alle Beteiligten erklärten sich einverstanden, gemeinsam den Steg zu machen und „für alle Zeiten“ zu erhalten.
Als dann um die letzte Jahrhundertwende sowohl an der Färber- als auch der Glasbühlstraße mehr und mehr Wohnhäuser erbaut wurden, sah sich die Gemeindeverwaltung verpflichtet, an Stelle des Steges eine Brücke zu setzen. Und o welch großes Wunder! Es war die erste Brücke, deren Fundament mit Beton herausgearbeitet wurde. 1899/1900 wurde die Färberei und Bleicherei gebaut, und so kam es, dass die Färberstraße ihren Namen aus dem Volksmund heraus bekam. Dass einst in dieser Färberei und Bleicherei Jahrzehnte lang täglich 100 – 150 Arbeiter beschäftigt waren, dürfte fast vergessen sein. Ebenso, dass dort während des Krieges 1914/18 wagonweise Uniformen von Schwerverletzen und Gefangenen gewaschen wurden. Der Volksmund sagte nicht mehr Färberei, sondern „Kriegswäscherei“, allerdings eine traurige Erinnerung.
Originell sind in der Färberstraße die uralten Hausnamen, die bereits in Vergessenheit gekommen sind. Auf Haus Nr. 4 war der „Brotwalser“, auf 8 aber der „Milchwalser“ wohnhaft. Auf Nr. 9 nannte man es beim „Brunnenmacher“, Nr. 10 (1934 abgebrochen) „Villa am See“, Nr. 11 und 13 „in der Schmalzgrub“. Hier wurde gar viele Jahre Butter zu Schmalz gekocht und nach Bregenz und Lindau in den Handel gebracht. Nr. 15/17 war ursprünglich das „Gütle“, das dann 1842 auf das neu erbaute Haus Nr. 26 „beim Sepherer“ übergegangen war. Nr. 18 hatte den Hausnamen „beim Ziebeleschneider“, der nächste Nachfolger war ein „Rupp“ und so benannte man es als „Ruppeloh“, Nr. 25, dem heute noch anzusehen ist, dass dort im Kellergeschoss Strohhüte fabriziert wurden, nannte man bei „Trienelers“ (Katharina) und ihre Schwester war die „Lieslers“ (Elisabeth). Nr. 27 hatte den Hausnamen bei „Banzers“, dann wohnte in diesem Haus Kunstmaler Maximilian Bentele und dessen Nachfolger war „s‘ Miliböbbele“.