Stadtgeschichten

Lindenberg kann eine bemerkenswerte Entwicklung vorweisen. Ursprünglich ein kleines, unbedeutendes Dörflein, später Markterhebung, schließlich Stadt und heute wirtschaftliches Zentrum des Westallgäus.
Wer mit wachen Augen durch die Stadt geht, kann diesen Werdegang nachvollziehen. Zeitzeugen aus Holz und Stein, Denkmale und viele bauliche Details geben Aufschluss über die Vergangenheit.
Der Verein will dieses kulturelle Erbe in Wert setzen, den Erhalt fördern, das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen. 

Ein stadtgeschichtlicher Rundgang war ein Projekt des Geschichts- und Museumsvereins. An knapp zwei Dutzend Stellen in der Stadt weisen Erinnerungstafeln auf geschichtliche Themen hin, die für das Leben und die Entwicklung Lindenbergs maßgeblich waren.

Die Stadtpfarrkirche, Dom des Westallgäus, findet sich dort genauso wie die Lazarettstadt, Pferdehandel, s'Bähnle, s'Kappele oder die Geldstadt. 

Begonnen hat das Projekt mit einer „Geschichtsinstallation“ im Aussichtsturm auf dem Nadenberg zum 50. Jahrestag des ersten Familien-Feriendorfs der Stiftung Hilfswerk Berlin am 15.05.2010.

Für Inhalt und Gestaltung zeichneten sich vor allem Dr. Georg Grübel und Werner Budzinski, gestorben am 13.05.2015, verantwortlich.

Für diesen stadtgeschichtlichen Rundgang muss das Haus nicht unbedingt verlassen werden. Sie haben hier die Möglichkeit online in die Geschichte Lindenbergs einzutauchen. 

Das Torfmoor

Das Torfmoor war unser Thema am Abend des 3. August 2017 am Waldsee.

Das Allgäuer Wort für ein Torfmoor ist "Wasemoos".

Der Brennwert des Torfes war seit langem bekannt und damit die entsprechende Verwertungsmöglichkeit. Ein industrieller Abbau setzte im Westallgäu jedoch erst in der Zeit der Brennstoffknappheit nach dem zweiten Weltkrieg ein, etwa für die Hutfabriken. In kurzer Zeit verschwanden dadurch die Hochmoorgebiete bei Lindenberg hinter dem Spielermoos, wo maschineller Abbau stattfand, bis auf einen geringen Rest.

Am Waldsee wurden zwar keine Maschinen eingesetzt, doch auch in diesem Bereich ist wegen der Torfgewinnung das eigentliche Hochmoor nicht erhalten geblieben. Am Rand des Hagspielmoos bei Scheffau waren ebenfalls Torfmaschinen für Lindenberg im Einsatz. Dort erfolgte der Abbau nicht vollständig, es ist noch Hochmoor zu sehen.

Heute gelten Moorlandschaften als schutzwürdig, als Naturraum mit besonderem Charakter. Sie sind auch nützlich als Wasserrückhalteflächen und können durch Verdunstungskälte im Sommer frische Luft bringen. Früher dagegen herrschte der Gedanke vor, Moore zu entwässern, abzubauen, und in ertragreiches Wirtschaftsland zu verwandeln. Das gelang in manchen Fällen nicht.

Torf

Torf, gebildet aus abgestorbenen Pflanzenteilen ist gut geeignet, uns an den grundsätzlichen Stoffkreislauf zwischen Lebewesen, Luft, und Boden zu erinnern:

Organische, also von Lebewesen stammende Substanz braucht zu ihrem Aufbau das chemische Element Kohlenstoff, Symbolbuchstabe C. Die grünen Pflanzen gewinnen den Kohlenstoff aus dem Kohlendioxid, CO2, der Luft, welches sie aufnehmen und zusammen mit Wasser zu den sprichwörtlichen Kohlehydraten aufbauen. Dies geschieht im Blattgrün. Die Energie für diese chemische Syntheseleistung liefert das Sonnenlicht. Aller Sauerstoff (O2) in der Erdatmosphäre stammt aus diesem Vorgang, er wird von den grünen Pflanzen abgegeben. In den Kohlehydraten speichern die grünen Pflanzen die Energie – die "Kalorien" –, für alle Lebensvorgänge auf der Erde. Diese Energie wird freigesetzt, indem organische Substanz veratmet oder verbrannt wird. Beim Veratmen und Verbrennen verbindet sich der Kohlenstoff mit Sauerstoff,  gelangt so als CO2 zurück in die Atmosphäre.

Im Fall von Mooren bleibt der Kohlenstoff, genau wie bei Erdgas, Kohle, Erdöl, in der Lagerstätte gebunden.

Moor und Moos

Die Moospolster, welche speziell für Hochmoore verantwortlich sind, werden hauptsächlich von Moosen der Gattung Sphagnum gebildet, die darum Torfmoose heißen. Ein Erkennungsmerkmal sind ihre sternförmigen ("an Edelweiß erinnernd") Sproßköpfchen. Sie können, je nach Art, Standort und Jahreszeit, blassgrün, gelbbraun oder noch dunkler, hell blaugrün oder sogar rot gefärbt sein.

Wichtig ist ihr Wasserspeichervermögen – mit dem sie Regen zurückhalten – manche können das 20fache ihres Trockengewichtes aufsaugen. Durch ihren speziellen Mineralstoffwechsel säuern Torfmoose das Wasser bis zu pH-Werten um 4 an.

Dies sind Bedingungen, unter denen abgestorbene Pflanzenteile nicht mehr zersetzt werden. So bleibt die organische Substanz der Moose und anderen Pflanzen, vom Wollgrasbüschel bis zum Baum, erhalten und wird überwachsen. Im Lauf von Jahrtausenden wachsen so die Moospolster auf sich selbst in die Höhe, bis sie kein Wasser mehr aus dem ursprünglichen Bodengrund erreichen und nur noch vom Regen gespeist werden. Daher kommt die Bezeichnung "Hochmoor", auch "Regenmoor". Ein voll ausgeprägtes Hochmoor ist in seiner zentralen Fläche frei von Bäumen.

Man rechnet im Durchschnitt in unserem Klima mit einem Zuwachs von 1 cm pro Jahr für Torfmoos, durch Zusammensacken und Druck bleibt davon 1 mm pro Jahr. Fotos vom Torfstich im Allgäu zeigen manchmal mehrere Meter hohe "Wände". Man kann sich deshalb gut vorstellen, dass die ältesten Hochmoore bei uns vor rund 10 000 Jahren nach dem Ende der Eiszeit zu wachsen begonnen haben.

In Deutschland liegen die meisten Hochmoore im Norden. Den Regenreichtum, den sie brauchen, finden sie außerdem in den Gebirgen, im Schwarzwald, im Bayerischen Wald, und im Alpenvorland.

Moore allgemein

Moore entstehen auf verschiedene Weise, gerne zum Beispiel auf Wasserscheiden, wo das Wasser "nicht weiß, wohin abfließen", durch Verlandung von stehenden Gewässern, an Quellhängen, oder auf wasserstauendem Boden. Die Lindenberger Moore stehen auf dem Lehm der Grundmoräne des eiszeitlichen Rhein-Vorlandgletschers. Es gibt viele verschiedene Moortypen, zum Beispiel Nieder- oder Übergangsmoore. Dazu gehören Moorwälder und Moorwiesen, im Allgäu gut bekannt sind die Streuewiesen mit ihrem Blumenreichtum. Gemeinsames Merkmal aller Moore ist der schwarze Boden, der die nicht veratmete organische Substanz anzeigt. In Mooren wird also immer Kohlenstoff in Form von Pflanzenresten angereichert.

Link zum Artikel über Waldsee & Waasemoos

Heimatkunde

In Lindenberg wurde im Frühjahr 1926 auf Initiative von Leonhard Kleinle ein „Arbeitsausschuß für die Lindenberger Heimatkunde“ gebildet. Vorstand war Bürgermeister Dr. Meier, Schriftführer Martin Koelbl. Mitarbeiter waren neben Leonhard Kleinle die Herren Geistlicher Rat Joh. Ev. Egger, Josef Reich, Michael Ohmayer, J. Adolf Schwarz und Oskar König. Dieser Arbeitsausschuss war dann Herausgeber der „Lindenberger Heimatkunde“, die seit Dezember 1925 als  Beilage im Lindenberger Tagblatt erschien. Die Kopfleiste dazu wurde von Kunstmaler Otto Keck gestaltet.

Die „Lindenberger Heimatkunde“ erschien in derselben Form bis zum März 1934, allerdings ab Mitte 1933 als Beilage des Westallgäuer Tagblatts. Dies war eine Folge der erzwungenen Fusion des Lindenberger Tagblatts (Verlag Jacobi in Lindenberg) mit dem Westallgäuer Tagblatt (Verlag Holzer in Weiler). Die „Lindenberger Heimatkunde“ ging ab April 1934 in der Beilage „Westallgäuer Heimatblätter“ auf, die seit 1921 bis heute im Verlag Holzer erscheint.

(Quelle: HANS STIEFENHOFER: Lindenberger Heimatkunde, Aus Vergangenen Tagen, Band1, S. 12/13)

Die „Lindenberger Heimatkunde“ ist im Stadtarchiv Lindenberg einsehbar:

 

Stadtarchiv: Brennterwinkel 4, Stadtarchiv(at)lindenberg(punkt)de

Ihre Ansprechpartnerin: Frau Britta De Jans
 

Dankenswerterweise haben Franziska Möschel und Marlies Braun die Inhaltsverzeichnisse der „Lindenberger Heimatkunde“ als ‘Findbuch‘ in eine rechnerlesbare Form gebracht:

Inhaltsverzeichnis zum Download (PDF)

Zeitzeugen im Gespräch

In den letzten Jahren haben Marieluise Wiedemann und Norbert Mayer etliche Lindenberger interviewt, die über ihre Kindheit, ihre Jugend und ihren Lebensweg in dieser Stadt erzählten.
Ursprünglich waren diese Interviews für den Lindenberger Jubiläumsfilm "Lenes Tagebuch" gedacht, was aber dann doch den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte.
Stattdessen wollen wir die gut 30 Lindenberger und Lindenbergerinnen an dieser Stelle zu Wort kommen lassen.

Lesen Sie weiter auf der externen Seite:

http://www.lindenberg100.de