Ungeliebtes Denkmal - Bericht im Westallgäuer am 10. Dezember 2021

Geschichte zum Heimathaus – Söldnerhaus

Quelle: Auszüge aus der Heimatkundlichen Notiz von Hermann Stoller, Stadtarchiv

Das Heimathaus – Söldnerhaus, Bauzeit um 1590 gilt als das älteste Haus im Landkreis.

Erneute dendrologische Untersuchungen haben die Bauzeit in Frage gestellt. Aktuell wird die Bauzeit zwischen 1700 – 1730 bestimmt somit wäre das Haus um 150 Jahre jünger.

Warum die Untersuchungen von 1997 ein anderes Ergebnis haben, schuldet vielleicht der unterschiedlichen Balkenbestimmung.

Ob das Haus das älteste in Lindenberg ist, können wir weder beweisen noch widerlegen. Bestimmt gibt es Häuser die länger an bestimmten Plätzen nachgewiesen werden doch durch mehrmalige Umbauten so verändert wurden, dass man nicht mehr von einem „Alten Haus“ ausgehen kann.

Ein alter Ortsplan der Pfarrei Lindenberg zeigt das Haus mit der Nr. 66.

Klar ersichtlich sind die zwei Geschosse. Aus dem Familienbeschrieb von 1770 geht hervor, dass es von zwei Familien bewohnt wurde. Seit 1788 wohnten zwei Eigentümer im Söldnerhaus, von denen jeder das sogenannte Söldnergeld von 12 Kreuzern im Jahr bezahlen musste.

Wie auf Fotos von 1882 zu sehen ist hatte das Haus ein Schindeldach wie es damals in Lindenberg so üblich war.

Die ursprüngliche Wasserversorgung wurde durch einen tiefen Brunnen, der sich im mittleren Erdgeschoss befand, sichergestellt. Der Zugang zum Wasser war für die Eigentümer über den Schopf erreichbar. Das Wasser ist im Jahr 1939 an die städtische Wasserversorgung angeschlossen worden, der Brunnen wurde 1960 zugeschüttet.

Kachelöfen sorgten bis 1939 in beiden Stockwerken für wohlige Wärme. Der Kamin wurde neu errichtet.

Über ein Türchen an der Außenseite des Balkons konnten Hausierer, Brotträger, Milchverkäufer usw. ihre Lieferungen hinterlegen.

Die Besitzer des Hauses werden als „Söldner“ bezeichnet. Es handelte sich um Gemeindeangehörige, die wohl Hausbesitzer waren, doch zu wenig Felder hatten, um einen Bauernhof zu betreiben. Ein Bauer musste ein Hektar Land nachweisen, um eine Landwirtschaft zu betreiben.

Das Kirchensteuer Verzeichnis von 1788 zählte 94 Häuser in denen 59 Familien in Bauernhöfen und 43 in Söldnerhäusern lebten. Söldner gehörten zu den ärmeren Schichten der Bevölkerung, das bedeutete aber nicht, dass sie keine sozialen Aufstiegschancen hatten. Besonders in Lindenberg bot sich das Handwerk im Pferdehandel und Transport als auch in der Heimindustrie an.

Große Hutfabrikanten wie Reich, Huber und Keller haben in Lindenberg als Söldner angefangen.

Söldner zahlten wesentlich weniger Kirchensteuer als Bauern.

Eine der letzten Bewohner war Frau Graf deren Sohn Josef Lokalreporter der Heimatzeitung war. Nach seiner Pensionierung kümmerte er sich ausschließlich um die Archivarien der Stadt.

Die Besonderheit des Hauses besteht darin, der Nachwelt, das kleine Dorf Lindenberg, das durch den Ehrgeiz, Fleiß und Mut zum Risiko der Söldner den Pferdehandel in Gang brachten und damit in Lindenberg, Opfenbach Weiler und Scheidegg mit eigener Sparsamkeit und Verzicht ein gigantisches Hutimperium errichteten.

In den vergangenen Jahren haben sich einzelne wie auch Geschichtsbewusste Gruppierungen viel Gedanken zum Erhalt als auch zur Nutzung des Hauses gemacht.

Manfred Röhrl, ehemaliger Hutmuseumsleiter hatte 1999 schon die Idee das Haus in den erweiterten alten Friedhof umzusetzen. Die niedrigen Räume sind für eine Fotoausstellung bestens geeignet und es ist genügend Material vorhanden die Stadt von allen Seiten zu zeigen.

Seine Ideen von Dauer- und Wechselausstellungen reichten von der Darstellung des Pferdehandels mit Wegbeschreibungen, das „Blaue Allgäu“ in der Zeit als mancher Allgäuer sich ein Zubrot mit Flachsanbau verdienten. Milchwirtschaft und Käseherstellung. Die Aureliuskirche mit dem alten Friedhof, der Kirchenbau St. Peter und Paul, das 1. Krankenhaus und der Bau der Kurklinik Ried.

Von bedeutenden Familien wie Huber, Reich und Stiefenhofer. Den Barockbaumeister Johann Georg Specht oder Bürgermeister der Stadt die prägend zum Stadtgeschehen beitrugen.

Themen der Industrialiesierung aus der die heimischen Hutfabrikationen entstand, Sportereignisse und Vereinsgeschehen für Musik und Theater.

Mitglieder des Geschichts- und Museumsvereins die unter Führung der Kümmerin Hanni Windhaber die Idee hatten das Haus aus der beengten Hansenweiherstraße auf den Stadtplatz zu bringen um dort ein Lese- und Aufenhaltsstüble zu betreiben.

Aktuell kursiert in den Reihen der Geschichts- und Museumsvereinsmitglieder die Idee sich an eine ansässige Firma zu wenden die Westallgäu Kurse „So lebten die Allgäuer im Jahr 1590“ zugestalten.

 

Es gibt Ideen, sie sind da.

Denken wir nach über die Menschen und deren Wirken im Söldnerhaus – damals.

Franziska Möschel

Ortsheimatpflegerin