Stadtgeschichten

Lindenberg kann eine bemerkenswerte Entwicklung vorweisen. Ursprünglich ein kleines, unbedeutendes Dörflein, später Markterhebung, schließlich Stadt und heute wirtschaftliches Zentrum des Westallgäus.
Wer mit wachen Augen durch die Stadt geht, kann diesen Werdegang nachvollziehen. Zeitzeugen aus Holz und Stein, Denkmale und viele bauliche Details geben Aufschluss über die Vergangenheit.
Der Verein will dieses kulturelle Erbe in Wert setzen, den Erhalt fördern, das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen. 

Ein stadtgeschichtlicher Rundgang war ein Projekt des Geschichts- und Museumsvereins. An knapp zwei Dutzend Stellen in der Stadt weisen Erinnerungstafeln auf geschichtliche Themen hin, die für das Leben und die Entwicklung Lindenbergs maßgeblich waren.

Die Stadtpfarrkirche, Dom des Westallgäus, findet sich dort genauso wie die Lazarettstadt, Pferdehandel, s'Bähnle, s'Kappele oder die Geldstadt. 

Begonnen hat das Projekt mit einer „Geschichtsinstallation“ im Aussichtsturm auf dem Nadenberg zum 50. Jahrestag des ersten Familien-Feriendorfs der Stiftung Hilfswerk Berlin am 15.05.2010.

Für Inhalt und Gestaltung zeichneten sich vor allem Dr. Georg Grübel und Werner Budzinski, gestorben am 13.05.2015, verantwortlich.

Für diesen stadtgeschichtlichen Rundgang muss das Haus nicht unbedingt verlassen werden. Sie haben hier die Möglichkeit online in die Geschichte Lindenbergs einzutauchen. 

NS-Zeit 1933 - 1945

Dieses Gebäude, Teil der ehemaligen Strohhutfabrik Mercedes (1905 - 1924), wurde im Mai 1936 nach dem damaligen Bürgermeister als 'Hans-Vogel-Heim' benannt und dann zum HJ-Heim ausgebaut.

Ehemalige Strohhutfabrik Mercedes

Gleichzeitig wurde die Hirschstraße zusammen mit dem Brennterwinkel in 'Hans-Vogel-Straße' umbenannt. Ein rein nationalsozialistischer Stadtrat hatte am 4.8.1933 den Volksschullehrer Hans Vogel zum 1. Bürgermeister gewählt. Zuvor verloren die beiden SPD-Stadträte durch Parteiverbot ihre Ämter und die vier Stadträte der Bayerischen Volkspartei erklärten ihren Amtsverzicht, nachdem sie in Schutzhaft genommen worden waren. Vogel wurde am 31.3.1945 Ehrenbürger der Stadt, am 1.5.1945 wurde er auf der Flucht erschossen.

Am 4.9.1936 kommt der Sozialdemokrat Josef Bentele ins KZ Dachau. Er war wegen politischer Äußerungen denunziert worden und war deshalb 15 Monate im KZ. Am 13.11.1939 kommt die Bankdirektorsgattin und NS-Gegnerin Franziska Weber nach dem sog. 'Heimtückegesetz' bis 10.12.1941 ins Frauen-KZ Ravensbrück.

Am 12.1.44 wird der 77-jährige Jakob Plaut als Jude ins KZ Theresienstadt deportiert. Er kehrt nach Kriegsende wieder nach Lindenberg zurück und lebte hier bis zu seinem Tod 1955. Ein „Stolperstein" vor dem EIngang des heutigen Hutmuseums, erinnert an sein Schicksal.

Am 6.6.44 kommt die aus Lindenberg stammende Auguste Zwiesler im KZ Auschwitz ums Leben.

Am 22.Juli 1944, zwei Tage nach dem Attentat auf Hitler, werden Reichswehrminister a.D. Dr. Otto Geßler und Reichslandwirtschaftsminister a .D. Anton Fehr verhaftet und ins KZ Ravensbrück bei Berlin eingeliefert. Fehr kam nach zwei Monaten wieder frei, Geßler, als „persönlicher Gefangener des Führers", erst am 24. Februar 1945.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011

Heimatkunde

In Lindenberg wurde im Frühjahr 1926 auf Initiative von Leonhard Kleinle ein „Arbeitsausschuß für die Lindenberger Heimatkunde“ gebildet. Vorstand war Bürgermeister Dr. Meier, Schriftführer Martin Koelbl. Mitarbeiter waren neben Leonhard Kleinle die Herren Geistlicher Rat Joh. Ev. Egger, Josef Reich, Michael Ohmayer, J. Adolf Schwarz und Oskar König. Dieser Arbeitsausschuss war dann Herausgeber der „Lindenberger Heimatkunde“, die seit Dezember 1925 als  Beilage im Lindenberger Tagblatt erschien. Die Kopfleiste dazu wurde von Kunstmaler Otto Keck gestaltet.

Die „Lindenberger Heimatkunde“ erschien in derselben Form bis zum März 1934, allerdings ab Mitte 1933 als Beilage des Westallgäuer Tagblatts. Dies war eine Folge der erzwungenen Fusion des Lindenberger Tagblatts (Verlag Jacobi in Lindenberg) mit dem Westallgäuer Tagblatt (Verlag Holzer in Weiler). Die „Lindenberger Heimatkunde“ ging ab April 1934 in der Beilage „Westallgäuer Heimatblätter“ auf, die seit 1921 bis heute im Verlag Holzer erscheint.

(Quelle: HANS STIEFENHOFER: Lindenberger Heimatkunde, Aus Vergangenen Tagen, Band1, S. 12/13)

Die „Lindenberger Heimatkunde“ ist im Stadtarchiv Lindenberg einsehbar:

 

Stadtarchiv: Brennterwinkel 4, Stadtarchiv(at)lindenberg(punkt)de

Ihre Ansprechpartnerin: Frau Britta De Jans
 

Dankenswerterweise haben Franziska Möschel und Marlies Braun die Inhaltsverzeichnisse der „Lindenberger Heimatkunde“ als ‘Findbuch‘ in eine rechnerlesbare Form gebracht:

Inhaltsverzeichnis zum Download (PDF)

Zeitzeugen im Gespräch

In den letzten Jahren haben Marieluise Wiedemann und Norbert Mayer etliche Lindenberger interviewt, die über ihre Kindheit, ihre Jugend und ihren Lebensweg in dieser Stadt erzählten.
Ursprünglich waren diese Interviews für den Lindenberger Jubiläumsfilm "Lenes Tagebuch" gedacht, was aber dann doch den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte.
Stattdessen wollen wir die gut 30 Lindenberger und Lindenbergerinnen an dieser Stelle zu Wort kommen lassen.

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http://www.lindenberg100.de