Stadtgeschichten

Lindenberg kann eine bemerkenswerte Entwicklung vorweisen. Ursprünglich ein kleines, unbedeutendes Dörflein, später Markterhebung, schließlich Stadt und heute wirtschaftliches Zentrum des Westallgäus.
Wer mit wachen Augen durch die Stadt geht, kann diesen Werdegang nachvollziehen. Zeitzeugen aus Holz und Stein, Denkmale und viele bauliche Details geben Aufschluss über die Vergangenheit.
Der Verein will dieses kulturelle Erbe in Wert setzen, den Erhalt fördern, das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen. 

Ein stadtgeschichtlicher Rundgang war ein Projekt des Geschichts- und Museumsvereins. An knapp zwei Dutzend Stellen in der Stadt weisen Erinnerungstafeln auf geschichtliche Themen hin, die für das Leben und die Entwicklung Lindenbergs maßgeblich waren.

Die Stadtpfarrkirche, Dom des Westallgäus, findet sich dort genauso wie die Lazarettstadt, Pferdehandel, s'Bähnle, s'Kappele oder die Geldstadt. 

Begonnen hat das Projekt mit einer „Geschichtsinstallation“ im Aussichtsturm auf dem Nadenberg zum 50. Jahrestag des ersten Familien-Feriendorfs der Stiftung Hilfswerk Berlin am 15.05.2010.

Für Inhalt und Gestaltung zeichneten sich vor allem Dr. Georg Grübel und Werner Budzinski, gestorben am 13.05.2015, verantwortlich.

Für diesen stadtgeschichtlichen Rundgang muss das Haus nicht unbedingt verlassen werden. Sie haben hier die Möglichkeit online in die Geschichte Lindenbergs einzutauchen. 

Die Lindenberger Käsehändler Johler und Rädler in Nördlingen

Der Goßholzer Franz Xaver Stadler (1748 – 1815) hat 1799 seine seit 1781 bekannte Käse-Handels-compagnie in Ulm auf die Reichsstadt Nördlingen ausgeweitet. Nördlingen, auf halbem Weg zwischen Ulm und Nürnberg gelegen, war damals ein bedeutendes Handelszentrum im Schnittpunkt der Handelsstraßen von Frankfurt und Würzburg nach Augsburg, und von Nürnberg zum Bodensee. Stadlers Compagnon in der Firma <Stadler, Rädler & Co.> war jetzt nicht mehr dessen Schwager Anton Rädler, der 1786 verstorben war, sondern sein Schwiegersohn Joh. Georg Anton Rädler, Sohn von Anton Rädler, geb. 1772, verheiratet mit Stadlers Tochter Karoline, geb. 1776, beide in Goßholz.

Zu dieser Käsecompagnie gehörte auch ein Käsehandel vor Ort in Nördlingen. Diese Käsehandlung wurde von Joh. Martin Johler aus Goßholz geführt, der seit 1787 mit Anna Maria Rädler, der Schwester von Joh. Georg Anton Rädler verheiratet war, dem Teilhaber der Stadlerschen Käsecompagnie von 1799. Martin Johler (1760 – 1828) erwarb 1821 das Haus Baldingergasse 1 in Nördlingen. Nach dessen Tod, heiratete Joh. Georg Alois Rädler aus Goßholz, Sohn von Joh. Georg Anton Rädler (und  Enkel von F.X. Stadler), seine gleichaltrige Cousine Gertraud Johler in Nördlingen und übernahm 1828 mit einer Ablöse von 1.800 Gulden das Haus in der Baldingergasse und den Johlerschen Käsehandel.
Joh. Georg Alois Rädler, geb. 21. Juni 1803 in Goßholz, gest. 15. April 1873 in Nördlingen kam als Käsehändler und politischer Kopf in Nördlingen zu hohem Ansehen. Er war dort eine der führenden Persönlichkeiten zwischen 1848 und 1873. So war er u.a. von 1848 bis 1857 Mitglied im Kollegium der Gemeindebevollmächtigten. Zitate3: „Seit  August 1848 Mitglied und bald erster Vorsitzender des damals neu gegründeten freisinnig-nationalen  Nördlinger Volksvereins, des Sammelbeckens aller der neuen Bewegung zugewandten Kräfte in der Stadt, … Wortführer in der Auseinandersetzung mit einer reaktionären Gruppe in der Stadt. Offizier der Landwehr und Vorsitzender in mehreren Vereinen. Mit Vollbart und Schlapphut der Typus des „Volksmannes“ dieser Zeit.“
Zeittafel Johler / Rädler in Nördlingen, nachgewiesen4


1821 Martin Johler Käsehändler, kauft „ein dreistöckiges Wohnhaus samt Traufrecht“  
um 1.500 fl [Nov. 28] (heute: Baldingerstraße 1).

1828 Anna Maria Johler, geb. Rädler, Witwe des Käshändlers Johler übergibt um 1.800 fl an Alois Rädler, Kaufmann, Wohnhaus nebst Traufrecht [Dez. 5].
Deren Tochter Gertraud heiratet Alois Rädler. 

1839 Alois Rädler verkauft „aus freier Hand“ das Wohnhaus mit Traufrecht
an Gebele (Göbelen) Josef, Glaser, um 2.200 fl. 

1839 Alois Rädler, Kaufmann [Käsehändler], Gemeindebevollmächtigter, kauft von den Erben des Stadtkämmerers Friedrich Klein um 3.600 fl das Wohnhaus „Hohes Haus“ (heute: Marktplatz 17)  nebst Zubehör und Hofraum, die Hälfte des Nebenwohn- oder Hinterhauses und Garten [Jan. 5].

1873 Alois Rädler stirbt im Alter von 70 Jahren. Seine Witwe Christiane aus zweiter Ehe und deren Sohn August, führen das Geschäft „Alois Rädler“ bis 1910 weiter. 

1910 August Rädler stirbt im Alter von 47 Jahren. 

1930 Das Anwesen bleibt bis 1930 im Besitz der Familie Rädler; letzte Besitzerin ist 
Thekla Rädler, Privatiere, keine Nachkommen.

Heimatkunde

In Lindenberg wurde im Frühjahr 1926 auf Initiative von Leonhard Kleinle ein „Arbeitsausschuß für die Lindenberger Heimatkunde“ gebildet. Vorstand war Bürgermeister Dr. Meier, Schriftführer Martin Koelbl. Mitarbeiter waren neben Leonhard Kleinle die Herren Geistlicher Rat Joh. Ev. Egger, Josef Reich, Michael Ohmayer, J. Adolf Schwarz und Oskar König. Dieser Arbeitsausschuss war dann Herausgeber der „Lindenberger Heimatkunde“, die seit Dezember 1925 als  Beilage im Lindenberger Tagblatt erschien. Die Kopfleiste dazu wurde von Kunstmaler Otto Keck gestaltet.

Die „Lindenberger Heimatkunde“ erschien in derselben Form bis zum März 1934, allerdings ab Mitte 1933 als Beilage des Westallgäuer Tagblatts. Dies war eine Folge der erzwungenen Fusion des Lindenberger Tagblatts (Verlag Jacobi in Lindenberg) mit dem Westallgäuer Tagblatt (Verlag Holzer in Weiler). Die „Lindenberger Heimatkunde“ ging ab April 1934 in der Beilage „Westallgäuer Heimatblätter“ auf, die seit 1921 bis heute im Verlag Holzer erscheint.

(Quelle: HANS STIEFENHOFER: Lindenberger Heimatkunde, Aus Vergangenen Tagen, Band1, S. 12/13)

Die „Lindenberger Heimatkunde“ ist im Stadtarchiv Lindenberg einsehbar:

 

Stadtarchiv: Brennterwinkel 4, Stadtarchiv(at)lindenberg(punkt)de

Ihre Ansprechpartnerin: Frau Britta De Jans
 

Dankenswerterweise haben Franziska Möschel und Marlies Braun die Inhaltsverzeichnisse der „Lindenberger Heimatkunde“ als ‘Findbuch‘ in eine rechnerlesbare Form gebracht:

Inhaltsverzeichnis zum Download (PDF)

Zeitzeugen im Gespräch

In den letzten Jahren haben Marieluise Wiedemann und Norbert Mayer etliche Lindenberger interviewt, die über ihre Kindheit, ihre Jugend und ihren Lebensweg in dieser Stadt erzählten.
Ursprünglich waren diese Interviews für den Lindenberger Jubiläumsfilm "Lenes Tagebuch" gedacht, was aber dann doch den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte.
Stattdessen wollen wir die gut 30 Lindenberger und Lindenbergerinnen an dieser Stelle zu Wort kommen lassen.

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http://www.lindenberg100.de