Stadtgeschichten

Lindenberg kann eine bemerkenswerte Entwicklung vorweisen. Ursprünglich ein kleines, unbedeutendes Dörflein, später Markterhebung, schließlich Stadt und heute wirtschaftliches Zentrum des Westallgäus.
Wer mit wachen Augen durch die Stadt geht, kann diesen Werdegang nachvollziehen. Zeitzeugen aus Holz und Stein, Denkmale und viele bauliche Details geben Aufschluss über die Vergangenheit.
Der Verein will dieses kulturelle Erbe in Wert setzen, den Erhalt fördern, das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen. 

Ein stadtgeschichtlicher Rundgang war ein Projekt des Geschichts- und Museumsvereins. An knapp zwei Dutzend Stellen in der Stadt weisen Erinnerungstafeln auf geschichtliche Themen hin, die für das Leben und die Entwicklung Lindenbergs maßgeblich waren.

Die Stadtpfarrkirche, Dom des Westallgäus, findet sich dort genauso wie die Lazarettstadt, Pferdehandel, s'Bähnle, s'Kappele oder die Geldstadt. 

Begonnen hat das Projekt mit einer „Geschichtsinstallation“ im Aussichtsturm auf dem Nadenberg zum 50. Jahrestag des ersten Familien-Feriendorfs der Stiftung Hilfswerk Berlin am 15.05.2010.

Für Inhalt und Gestaltung zeichneten sich vor allem Dr. Georg Grübel und Werner Budzinski, gestorben am 13.05.2015, verantwortlich.

Für diesen stadtgeschichtlichen Rundgang muss das Haus nicht unbedingt verlassen werden. Sie haben hier die Möglichkeit online in die Geschichte Lindenbergs einzutauchen. 

Bahnhofstraße und Bahnhofsplatz

Die Bahnhofstraße zweigt zwischen den beiden Hotels „Krone“ und „Rößle“ von der Hauptstraße ab. Mit Beginn der Erdarbeiten zur Bahnhofsanlage (1900 / 01) wurde auch die Bahnhofstraße in ihrer heutigen Richtung angelegt, da im ersten Plan der Reichsbahn das Bahnhof- bzw. Stationsgebäude dahin zu stehen kommen sollte, wo dann später das Zollamt gebaut wurde.

Auf Betreiben von Interessenten wurde im letzten Augenblick das Stationsgebäude 150 Meter weiter nach Westen verlegt, und daher kommt es, dass die Bahnhofstraße nicht direkt zum Bahnhofsgebäude führt. In den ersten Jahren nach der Eröffnung des Bahnhofsgebäudes war die Bahnhofstraße die einzige Verkehrsstraße von und zur Hauptstraße. Bismarck- und Badstraße waren noch nicht vollwertig ausgebaut. 1910 wurde die Bahnhofstraße bedeutend verbreitert; ebenso wurden die Brücke über den Moosbach und die Gehsteige beiderseits angelegt. Grund und Boden, auf dem die Bahnhofstraße verläuft, gehörte ehemals zum Gasthof „Zum Rößle“, wie auch der größte Teil der Bahnhofsanlage, das Postbetriebsgebäude und der Bereich um die Heinrich-Brauns-Straße.

 

Die gesamte Bahnhofsanlage einschließlich der Bismarckstraße, etwa 1000 Meter lang und 500 Meter breit, erforderte seinerzeit (1900/01) eine ungeheure Menge Auffüllmaterial.  Hierzu hatte die Stadt jene Flächen aufzufüllen, die zum Bahnhofplatz und zur Bismarckstraße vorgesehen waren. Bei der Anlage des Bahnhofes insgesamt war es der Stadt nicht gelungen, den Bahnhofsplatz durch eine Brücke über den Moosbach mit der Sedanstraße zu verbinden. Erst 1906 wurde über den Moosbach ein Steg errichtet und dann endlich 1909 die Brücke gebaut, wodurch die Bahnhofstraße eine bedeutende Entlastung erfuhr.

 

Die gesamte Bahnhofanlage entsprach von Anfang an und auch heute noch nicht der sonst üblichen Großzügigkeit der Lindenberger. Sie ist im Gesamtbild der Stadt gewiss kein Repräsentationsplatz. Ein kümmerliches Bedürfnishäuschen und eine versunkene Waschküche stehen traumverloren am Rand, als wären sie einem Bregenzerwälderbahnhof entflohen. Die damalige Bahnbauverwaltung konnte trotz aller Bemühungen der Stadt und der Industrie nicht daran glauben, dass die Hut- und Käseindustrie Lindenbergs einen so bedeutenden Aufschwung nehmen würde. Bis 1915 war der Ladebahnhof nur von der nordwestlichen Seite (Bismarckstraße) mit Fuhrwerken zu erreichen. Endlich war auch von Westen her (Sedanstraße) eine Zufahrt möglich. 1952/53 wurde das tiefe Bett des Moosbachs überwölbt. Damit wurden beide Brücken überflüssig und die Bahnhofsanlage wenigstens zum Teil verschönert. [Im Jahr 2010 wurde auf dem ehemaligen Bahngelände der Stadtpark eröffnet. http://www.gmv-lindenberg.de/Seite12.html

  

                                                                                                                                  [GG 03/2013]

 

1 [Die Gastwirtschaft „Zum Rössle“ war zu den Hoch-Zeiten des Pferdehandels eine Hauptstation für die   Pferdetransporte; die Stallungen fassten bis zu 100 Pferde.

Heimatkunde

In Lindenberg wurde im Frühjahr 1926 auf Initiative von Leonhard Kleinle ein „Arbeitsausschuß für die Lindenberger Heimatkunde“ gebildet. Vorstand war Bürgermeister Dr. Meier, Schriftführer Martin Koelbl. Mitarbeiter waren neben Leonhard Kleinle die Herren Geistlicher Rat Joh. Ev. Egger, Josef Reich, Michael Ohmayer, J. Adolf Schwarz und Oskar König. Dieser Arbeitsausschuss war dann Herausgeber der „Lindenberger Heimatkunde“, die seit Dezember 1925 als  Beilage im Lindenberger Tagblatt erschien. Die Kopfleiste dazu wurde von Kunstmaler Otto Keck gestaltet.

Die „Lindenberger Heimatkunde“ erschien in derselben Form bis zum März 1934, allerdings ab Mitte 1933 als Beilage des Westallgäuer Tagblatts. Dies war eine Folge der erzwungenen Fusion des Lindenberger Tagblatts (Verlag Jacobi in Lindenberg) mit dem Westallgäuer Tagblatt (Verlag Holzer in Weiler). Die „Lindenberger Heimatkunde“ ging ab April 1934 in der Beilage „Westallgäuer Heimatblätter“ auf, die seit 1921 bis heute im Verlag Holzer erscheint.

(Quelle: HANS STIEFENHOFER: Lindenberger Heimatkunde, Aus Vergangenen Tagen, Band1, S. 12/13)

Die „Lindenberger Heimatkunde“ ist im Stadtarchiv Lindenberg einsehbar:

 

Stadtarchiv: Brennterwinkel 4, Stadtarchiv(at)lindenberg(punkt)de

Ihre Ansprechpartnerin: Frau Britta De Jans
 

Dankenswerterweise haben Franziska Möschel und Marlies Braun die Inhaltsverzeichnisse der „Lindenberger Heimatkunde“ als ‘Findbuch‘ in eine rechnerlesbare Form gebracht:

Inhaltsverzeichnis zum Download (PDF)

Zeitzeugen im Gespräch

In den letzten Jahren haben Marieluise Wiedemann und Norbert Mayer etliche Lindenberger interviewt, die über ihre Kindheit, ihre Jugend und ihren Lebensweg in dieser Stadt erzählten.
Ursprünglich waren diese Interviews für den Lindenberger Jubiläumsfilm "Lenes Tagebuch" gedacht, was aber dann doch den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte.
Stattdessen wollen wir die gut 30 Lindenberger und Lindenbergerinnen an dieser Stelle zu Wort kommen lassen.

Lesen Sie weiter auf der externen Seite:

http://www.lindenberg100.de