Stadtgeschichten

Lindenberg kann eine bemerkenswerte Entwicklung vorweisen. Ursprünglich ein kleines, unbedeutendes Dörflein, später Markterhebung, schließlich Stadt und heute wirtschaftliches Zentrum des Westallgäus.
Wer mit wachen Augen durch die Stadt geht, kann diesen Werdegang nachvollziehen. Zeitzeugen aus Holz und Stein, Denkmale und viele bauliche Details geben Aufschluss über die Vergangenheit.
Der Verein will dieses kulturelle Erbe in Wert setzen, den Erhalt fördern, das Bewusstsein in der Bevölkerung schärfen. 

Ein stadtgeschichtlicher Rundgang war ein Projekt des Geschichts- und Museumsvereins. An knapp zwei Dutzend Stellen in der Stadt weisen Erinnerungstafeln auf geschichtliche Themen hin, die für das Leben und die Entwicklung Lindenbergs maßgeblich waren.

Die Stadtpfarrkirche, Dom des Westallgäus, findet sich dort genauso wie die Lazarettstadt, Pferdehandel, s'Bähnle, s'Kappele oder die Geldstadt. 

Begonnen hat das Projekt mit einer „Geschichtsinstallation“ im Aussichtsturm auf dem Nadenberg zum 50. Jahrestag des ersten Familien-Feriendorfs der Stiftung Hilfswerk Berlin am 15.05.2010.

Für Inhalt und Gestaltung zeichneten sich vor allem Dr. Georg Grübel und Werner Budzinski, gestorben am 13.05.2015, verantwortlich.

Für diesen stadtgeschichtlichen Rundgang muss das Haus nicht unbedingt verlassen werden. Sie haben hier die Möglichkeit online in die Geschichte Lindenbergs einzutauchen. 

Ungeliebtes Denkmal - Bericht im Westallgäuer am 10. Dezember 2021

Geschichte zum Heimathaus – Söldnerhaus

Quelle: Auszüge aus der Heimatkundlichen Notiz von Hermann Stoller, Stadtarchiv

Das Heimathaus – Söldnerhaus, Bauzeit um 1590 gilt als das älteste Haus im Landkreis.

Erneute dendrologische Untersuchungen haben die Bauzeit in Frage gestellt. Aktuell wird die Bauzeit zwischen 1700 – 1730 bestimmt somit wäre das Haus um 150 Jahre jünger.

Warum die Untersuchungen von 1997 ein anderes Ergebnis haben, schuldet vielleicht der unterschiedlichen Balkenbestimmung.

Ob das Haus das älteste in Lindenberg ist, können wir weder beweisen noch widerlegen. Bestimmt gibt es Häuser die länger an bestimmten Plätzen nachgewiesen werden doch durch mehrmalige Umbauten so verändert wurden, dass man nicht mehr von einem „Alten Haus“ ausgehen kann.

Ein alter Ortsplan der Pfarrei Lindenberg zeigt das Haus mit der Nr. 66.

Klar ersichtlich sind die zwei Geschosse. Aus dem Familienbeschrieb von 1770 geht hervor, dass es von zwei Familien bewohnt wurde. Seit 1788 wohnten zwei Eigentümer im Söldnerhaus, von denen jeder das sogenannte Söldnergeld von 12 Kreuzern im Jahr bezahlen musste.

Wie auf Fotos von 1882 zu sehen ist hatte das Haus ein Schindeldach wie es damals in Lindenberg so üblich war.

Die ursprüngliche Wasserversorgung wurde durch einen tiefen Brunnen, der sich im mittleren Erdgeschoss befand, sichergestellt. Der Zugang zum Wasser war für die Eigentümer über den Schopf erreichbar. Das Wasser ist im Jahr 1939 an die städtische Wasserversorgung angeschlossen worden, der Brunnen wurde 1960 zugeschüttet.

Kachelöfen sorgten bis 1939 in beiden Stockwerken für wohlige Wärme. Der Kamin wurde neu errichtet.

Über ein Türchen an der Außenseite des Balkons konnten Hausierer, Brotträger, Milchverkäufer usw. ihre Lieferungen hinterlegen.

Die Besitzer des Hauses werden als „Söldner“ bezeichnet. Es handelte sich um Gemeindeangehörige, die wohl Hausbesitzer waren, doch zu wenig Felder hatten, um einen Bauernhof zu betreiben. Ein Bauer musste ein Hektar Land nachweisen, um eine Landwirtschaft zu betreiben.

Das Kirchensteuer Verzeichnis von 1788 zählte 94 Häuser in denen 59 Familien in Bauernhöfen und 43 in Söldnerhäusern lebten. Söldner gehörten zu den ärmeren Schichten der Bevölkerung, das bedeutete aber nicht, dass sie keine sozialen Aufstiegschancen hatten. Besonders in Lindenberg bot sich das Handwerk im Pferdehandel und Transport als auch in der Heimindustrie an.

Große Hutfabrikanten wie Reich, Huber und Keller haben in Lindenberg als Söldner angefangen.

Söldner zahlten wesentlich weniger Kirchensteuer als Bauern.

Eine der letzten Bewohner war Frau Graf deren Sohn Josef Lokalreporter der Heimatzeitung war. Nach seiner Pensionierung kümmerte er sich ausschließlich um die Archivarien der Stadt.

Die Besonderheit des Hauses besteht darin, der Nachwelt, das kleine Dorf Lindenberg, das durch den Ehrgeiz, Fleiß und Mut zum Risiko der Söldner den Pferdehandel in Gang brachten und damit in Lindenberg, Opfenbach Weiler und Scheidegg mit eigener Sparsamkeit und Verzicht ein gigantisches Hutimperium errichteten.

In den vergangenen Jahren haben sich einzelne wie auch Geschichtsbewusste Gruppierungen viel Gedanken zum Erhalt als auch zur Nutzung des Hauses gemacht.

Manfred Röhrl, ehemaliger Hutmuseumsleiter hatte 1999 schon die Idee das Haus in den erweiterten alten Friedhof umzusetzen. Die niedrigen Räume sind für eine Fotoausstellung bestens geeignet und es ist genügend Material vorhanden die Stadt von allen Seiten zu zeigen.

Seine Ideen von Dauer- und Wechselausstellungen reichten von der Darstellung des Pferdehandels mit Wegbeschreibungen, das „Blaue Allgäu“ in der Zeit als mancher Allgäuer sich ein Zubrot mit Flachsanbau verdienten. Milchwirtschaft und Käseherstellung. Die Aureliuskirche mit dem alten Friedhof, der Kirchenbau St. Peter und Paul, das 1. Krankenhaus und der Bau der Kurklinik Ried.

Von bedeutenden Familien wie Huber, Reich und Stiefenhofer. Den Barockbaumeister Johann Georg Specht oder Bürgermeister der Stadt die prägend zum Stadtgeschehen beitrugen.

Themen der Industrialiesierung aus der die heimischen Hutfabrikationen entstand, Sportereignisse und Vereinsgeschehen für Musik und Theater.

Mitglieder des Geschichts- und Museumsvereins die unter Führung der Kümmerin Hanni Windhaber die Idee hatten das Haus aus der beengten Hansenweiherstraße auf den Stadtplatz zu bringen um dort ein Lese- und Aufenhaltsstüble zu betreiben.

Aktuell kursiert in den Reihen der Geschichts- und Museumsvereinsmitglieder die Idee sich an eine ansässige Firma zu wenden die Westallgäu Kurse „So lebten die Allgäuer im Jahr 1590“ zugestalten.

 

Es gibt Ideen, sie sind da.

Denken wir nach über die Menschen und deren Wirken im Söldnerhaus – damals.

Franziska Möschel

Ortsheimatpflegerin

Heimatkunde

In Lindenberg wurde im Frühjahr 1926 auf Initiative von Leonhard Kleinle ein „Arbeitsausschuß für die Lindenberger Heimatkunde“ gebildet. Vorstand war Bürgermeister Dr. Meier, Schriftführer Martin Koelbl. Mitarbeiter waren neben Leonhard Kleinle die Herren Geistlicher Rat Joh. Ev. Egger, Josef Reich, Michael Ohmayer, J. Adolf Schwarz und Oskar König. Dieser Arbeitsausschuss war dann Herausgeber der „Lindenberger Heimatkunde“, die seit Dezember 1925 als  Beilage im Lindenberger Tagblatt erschien. Die Kopfleiste dazu wurde von Kunstmaler Otto Keck gestaltet.

Die „Lindenberger Heimatkunde“ erschien in derselben Form bis zum März 1934, allerdings ab Mitte 1933 als Beilage des Westallgäuer Tagblatts. Dies war eine Folge der erzwungenen Fusion des Lindenberger Tagblatts (Verlag Jacobi in Lindenberg) mit dem Westallgäuer Tagblatt (Verlag Holzer in Weiler). Die „Lindenberger Heimatkunde“ ging ab April 1934 in der Beilage „Westallgäuer Heimatblätter“ auf, die seit 1921 bis heute im Verlag Holzer erscheint.

(Quelle: HANS STIEFENHOFER: Lindenberger Heimatkunde, Aus Vergangenen Tagen, Band1, S. 12/13)

Die „Lindenberger Heimatkunde“ ist im Stadtarchiv Lindenberg einsehbar:

 

Stadtarchiv: Brennterwinkel 4, Stadtarchiv(at)lindenberg(punkt)de

Ihre Ansprechpartnerin: Frau Britta De Jans
 

Dankenswerterweise haben Franziska Möschel und Marlies Braun die Inhaltsverzeichnisse der „Lindenberger Heimatkunde“ als ‘Findbuch‘ in eine rechnerlesbare Form gebracht:

Inhaltsverzeichnis zum Download (PDF)

Zeitzeugen im Gespräch

In den letzten Jahren haben Marieluise Wiedemann und Norbert Mayer etliche Lindenberger interviewt, die über ihre Kindheit, ihre Jugend und ihren Lebensweg in dieser Stadt erzählten.
Ursprünglich waren diese Interviews für den Lindenberger Jubiläumsfilm "Lenes Tagebuch" gedacht, was aber dann doch den zeitlichen Rahmen gesprengt hätte.
Stattdessen wollen wir die gut 30 Lindenberger und Lindenbergerinnen an dieser Stelle zu Wort kommen lassen.

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http://www.lindenberg100.de