Die Lindenberger Käsehändler Johler und Rädler in Nördlingen

Der Goßholzer Franz Xaver Stadler (1748 – 1815) hat 1799 seine seit 1781 bekannte Käse-Handels-compagnie in Ulm auf die Reichsstadt Nördlingen ausgeweitet. Nördlingen, auf halbem Weg zwischen Ulm und Nürnberg gelegen, war damals ein bedeutendes Handelszentrum im Schnittpunkt der Handelsstraßen von Frankfurt und Würzburg nach Augsburg, und von Nürnberg zum Bodensee. Stadlers Compagnon in der Firma <Stadler, Rädler & Co.> war jetzt nicht mehr dessen Schwager Anton Rädler, der 1786 verstorben war, sondern sein Schwiegersohn Joh. Georg Anton Rädler, Sohn von Anton Rädler, geb. 1772, verheiratet mit Stadlers Tochter Karoline, geb. 1776, beide in Goßholz.

Zu dieser Käsecompagnie gehörte auch ein Käsehandel vor Ort in Nördlingen. Diese Käsehandlung wurde von Joh. Martin Johler aus Goßholz geführt, der seit 1787 mit Anna Maria Rädler, der Schwester von Joh. Georg Anton Rädler verheiratet war, dem Teilhaber der Stadlerschen Käsecompagnie von 1799. Martin Johler (1760 – 1828) erwarb 1821 das Haus Baldingergasse 1 in Nördlingen. Nach dessen Tod, heiratete Joh. Georg Alois Rädler aus Goßholz, Sohn von Joh. Georg Anton Rädler (und  Enkel von F.X. Stadler), seine gleichaltrige Cousine Gertraud Johler in Nördlingen und übernahm 1828 mit einer Ablöse von 1.800 Gulden das Haus in der Baldingergasse und den Johlerschen Käsehandel.
Joh. Georg Alois Rädler, geb. 21. Juni 1803 in Goßholz, gest. 15. April 1873 in Nördlingen kam als Käsehändler und politischer Kopf in Nördlingen zu hohem Ansehen. Er war dort eine der führenden Persönlichkeiten zwischen 1848 und 1873. So war er u.a. von 1848 bis 1857 Mitglied im Kollegium der Gemeindebevollmächtigten. Zitate3: „Seit  August 1848 Mitglied und bald erster Vorsitzender des damals neu gegründeten freisinnig-nationalen  Nördlinger Volksvereins, des Sammelbeckens aller der neuen Bewegung zugewandten Kräfte in der Stadt, … Wortführer in der Auseinandersetzung mit einer reaktionären Gruppe in der Stadt. Offizier der Landwehr und Vorsitzender in mehreren Vereinen. Mit Vollbart und Schlapphut der Typus des „Volksmannes“ dieser Zeit.“
Zeittafel Johler / Rädler in Nördlingen, nachgewiesen4


1821 Martin Johler Käsehändler, kauft „ein dreistöckiges Wohnhaus samt Traufrecht“  
um 1.500 fl [Nov. 28] (heute: Baldingerstraße 1).

1828 Anna Maria Johler, geb. Rädler, Witwe des Käshändlers Johler übergibt um 1.800 fl an Alois Rädler, Kaufmann, Wohnhaus nebst Traufrecht [Dez. 5].
Deren Tochter Gertraud heiratet Alois Rädler. 

1839 Alois Rädler verkauft „aus freier Hand“ das Wohnhaus mit Traufrecht
an Gebele (Göbelen) Josef, Glaser, um 2.200 fl. 

1839 Alois Rädler, Kaufmann [Käsehändler], Gemeindebevollmächtigter, kauft von den Erben des Stadtkämmerers Friedrich Klein um 3.600 fl das Wohnhaus „Hohes Haus“ (heute: Marktplatz 17)  nebst Zubehör und Hofraum, die Hälfte des Nebenwohn- oder Hinterhauses und Garten [Jan. 5].

1873 Alois Rädler stirbt im Alter von 70 Jahren. Seine Witwe Christiane aus zweiter Ehe und deren Sohn August, führen das Geschäft „Alois Rädler“ bis 1910 weiter. 

1910 August Rädler stirbt im Alter von 47 Jahren. 

1930 Das Anwesen bleibt bis 1930 im Besitz der Familie Rädler; letzte Besitzerin ist 
Thekla Rädler, Privatiere, keine Nachkommen.