Die Gastwirtschaft zum Hirschen

von Georg Grübel

 

Das Gasthaus zum „Hirsch“ in der Hirschstraße 2 gehört zu den uralten Wirtschaften mit Grundbesitz, die bei der Vereinödung ( Flurbereinigung) von 1770/71 im Dorfkern arrondiert wurden.

Gastwirtschaft Hirsch - 1930 - Staudter-Sammlung

Der gesamte Grundbesitz von 15 ½ Jauchert 119 Ruthen lag danach wesentlich um das Haus herum: Die „Gänsewiese“, wo an Markttagen das Vieh gesammelt wurde, war (nach heutiger Namensgebung) der Bereich entlang der Hauptstraße von der Hirschstraße bis zur Weinstraße und in der Breite dann bis zum Mühlbach. Der größte Teil der Felder lag südlich der Hauptstraße bis hinauf zur Marienkapelle, in der Breite etwa halbteils bis zum Bach. Nordwestlich der Hauptstraße verlief der Besitz zwischen der Goethe- und der Austraße auf der Höhe des Stadions. Der Besitzer war damals Anton Ellgaß.

 

            Der Hirschwirt Anton Ellgaß (1722 – 1792) war seit 1748 mit Anna Maria Spieler (1723 – 1784) verheiratet, einer Schwester des Kronenwirtes Franz Anton Spieler. Das Paar hatte 16 Kinder, wovon aber nur 5 Kinder das Erwachsenenalter erreichten.  Der älteste Sohn wurde Priester, starb jedoch mit 33 Jahren als Kaplan in Scheidegg. Die Tochter Franziska heiratete 1790 Johann Georg König, den jüngeren Bruder des „Kreuz“-Wirts Franz Josef König. Die beiden Jungvermählten erwerben im selben Jahr die Wirtschaft zur „Krone“, nachdem der Onkel der jungen Frau, der Kronenwirt Franz Anton Spieler, einige Monate zuvor verstorben war.

 

            Ab dem Jahr 1786 war Anton Ellgaß Beisitzer des Gerichts Altenburg.  Als er 1747 mit seinen fünf ledigen Schwestern die Aufteilung des Erbes regelt, verpflichtet er sich, den Schwestern den halben Teil der ‚Bodebiere‘ zu überlassen: Das ist wohl der erste Nachweis in Lindenberg, dass hier schon Kartoffeln (‚Bodebiere‘) in größerem Umfang angebaut wurden.

 

            Der Nachfolger von Anton Ellgaß als Hirschwirt war Johann Jakob Ellgaß. Trotz des gleichen Familiennamens war er mit seinem Vorgänger Ellgaß auf der Wirtschaft nicht oder höchstens nur entfernt verwandt. Er gehörte zu den Ellgaß von Weihers und kam auf die Hirschwirtschaft durch Einheirat. Er hatte 1806 Anna Maria Keine geheiratet, die Witwe seines Vorgängers aus 2. Ehe. Seine Frau war 9 Jahre älter, ein Altersunterschied, der bei Einheiraten nicht selten war.

 

            Johann Jakob Ellgaß (1781 – 1828), „Bauer, Wirth und Krämer daselbst“, wurde in der ersten bayerischen Gemeindewahl 1818 zum Gemeindepfleger der Gemeinde Lindenberg gewählt. Er wurde damit Stellvertreter des damaligen Gemeindevorstehers, des Kreuzwirts Franz Josef König. Als dieser 1822 stirbt wird Johann Jakob Ellgaß dessen Nachfolger. Er ist damit der zweite in der Reihe der <Lindenberger Bürgermeister>.

 

           Im Jahr 1824 bereitete Johann Jakob Ellgaß seine Nachfolge auf der Hirschwirtschaft vor. Dazu teilte er seine Felder. Einen Teil gab er seinem Stiefsohn Joseph Anton Ellgaß aus der 1. Ehe seiner Frau. Für diesen wurde neben der Wirtschaft auf der anderen Straßenseite (heute Hauptstraße 72) ein neuer Bauernhof mit Krämerei gebaut. Dort ließ sich dieser Stiefsohn nach seiner Hochzeit mit Agathe König (1791-1834) als Landwirt und Krämer nieder. Der Vater seiner Frau war der Kreuzwirt Franz Josef König. Die Hirschwirtschaft sah Johann Jakob Ellgaß für seinen eigenen Sohn Johann Lorenz vor.

 

            Im Jahr 1829 wurde Johann Lorenz Ellgaß (1808-1834) Hirschwirt. Nach dem Tod seines Vaters Johann Jakob Ellgaß am 17.5.1828, heiratete er am 26.7.1829 Maria Theresia König, eine Tochter des „Rössle“-Wirts Bonaventura König. Er starb jedoch schon 5 Jahre danach am 12.2.1834 mit nur 25 Jahren. Zwei Monate später, am 28.4.1834, starb die 33-jährige Agathe König, die Frau des Halbbruders Joseph Anton Ellgaß vom neuen Ellgaß-Hof auf der anderen Straßenseite. Bereits sechs Monate später wurden die beiden Ellgaß-Familien zusammengeschlossen. Joseph Anton Ellgaß heiratete nämlich die Witwe Maria Theresia König seines verstorbenen Halbbruders Johann Lorenz.

 

            Mit Josef Anton Ellgaß (1794-1865) kehrten die Hirschwirte-Ellgaß wieder auf den Hirschen zurück. Joseph Anton Ellgaß war dann der letzte Hirschwirt namens Ellgaß. Von den 17 Kindern ausdrei verschiedenen Ehen, die in der vereinigten Familie lebten, erreichten immerhin 10 das Erwachsenenalter (damals ein guter Durchschnitt). Sein Anwesen gegenüber der Hirschwirtschaft, Hauptstraße 72, erwarb 1846 der Käsegroßhändler Alois Rädler. Es wurde das Stammhaus der „Käs-Rädler“.

Quelle: Verschiedene nachgelassene Notizen von Herman Stoller (2009)

Zur Bildergalerie