Die Gastwirtschaft zur Sonne

von Georg Grübel

 

Der uralte Gasthof „Zur Sonne“, Hauptstraße 33, wurde 1956 abgebrochen und durch zwei Geschäftshäuser ersetzt, damals Joka (Josten Kaufhaus) und Sport-Haisermann.

Gasthof zur Sonne 1920 - Zeichnung

Zu diesem Anwesen gehörte einst ein größerer Grundbesitz. Begrenzt im Osten vom Glasbühl, bildete der Moosbach die südliche  Grenze ab der Färberstraße mit den Grundstücken, auf denen heute die Wohnhäuser Nr. 1, 3 bis 9/11 stehen. Die Hauptstraße bis zur Glasbühlstraße war die nördliche Grenze. Der Vorläufer der heutigen Sonnenstraße war ein Feldweg zu diesem Besitz-Dreieck.

  

        Frühe Besitzer der „Sonne“ waren die mit dem Pferdehandel verbundenen Stiefenhofer. Hermann Stoller schreibt: Jörg Stiefenhofer  (gestorben ca. 1635) hatte mit großer Wahrscheinlichkeit die damals in Lindenberg wiederholt vorkommende Kombination von drei Tätigkeiten ausgeübt: Wirt, Bauer und Pferdehändler. Am 18.1.1659 hat jedenfalls sein Sohn Mang [Stiefenhofer] die Behausung, Hofstatt, Zimmer, Stadel und Stallung gekauft, die Mangs Stiefvater Georg Mahler und Mangs Mutter zu eigen hatten. … Mahler wird als „Wirt“ bezeichnet.  Es ging demnach auch um eine Wirtschaft. Dies war wohl die „Sonne“ an der späteren unteren Hauptstraße. Im Übergabevertrag findet sich jedenfalls die heimatgeschichtlich interessante Bedingung: „Die beiden alten Leute“ behielten auf Lebenszeit die Nutznießung an den „beiden Roßställen“, ... „mitsamt dem was sich auf dem großen Roßstall befand“. Die Vermietung der Roßställe war demnach wohl ein zusätzliches einträgliches Geschäft der gewesen: sonst hätte der Vorbehalt des Nießbrauchs keinen Sinn gemacht. Mindestens damals dürfte Lindenberg auch ein Umschlagsplatz für zu handelnde Pferde gewesen sein.

 

          Nach den <Stiefenhofer> waren die <Hauber> die weiteren Sonnenwirte: Michael Hauber (1737 – 1788) heiratete 1769 die Sonnenwirtstochter Maria Katharina Stiefenhofer, sie war eine Enkelin des Rösslewirts Anton König. Der jüngste Sohn, Ignatz Hauber (1785 – 1865), wurde Nachfolger als Sonnenwirt. Ab 1818 gehörte er zu den gewählten Gemeindebevollmächtigten in Lindenberg. Der älteste Sohn, Joseph Anton Hauber (1777 – 1840), war von 1815 bis 1840 Pfarrer in Lindenberg, und zwar als Nachfolger von Pfarrer Wettach, der von der Taufe an Haubers geistlicher Ziehvater in Lindenberg war. Von Hauber stammt die aufschlussreiche „Statistisch-Landwirtschaftliche Beschreibung der Pfarrey Lindenberg“ von 1836.

 

          Das Sonnen-Areal hat auch eine Käsegeschichte. Der Sonnenwirt Ignatz Hauber hatte auf seinem Grundstück (heute Färberstraße 5) im Jahr 1845 eine Sennerei eingerichtet, für die ab 1860 dessen Sohn Joh. Georg Hauber im Steuerregister eingetragen ist. Joh. Georg Hauber war einer der ersten Käsegroßhändler, die sich auf Rundkäse („Emmentaler“) spezialisierten. Er bewohnte das heutige Haus Färberstraße 1, ein repräsentativer Bau mit großem Garten, Wiesen und Fischweiher. Daneben erbaute er ein Ökonomiegebäude mit Käskeller und Stallung, heute Färberstraße 3. In beiden Gebäuden, Färberstraße 1 und 3 bestehen noch die wuchtigen Kellergewölbe, die bis Ende der 1950er Jahre von der benachbarten Käserei Johann Walser (gegründet 1895) als Reife- und Lagerkeller für Emmentalerkäse genutzt wurden.

 

          Im Jahr 1881 ging die „Sonne“ an den Gastwirt und Metzger Franz Josef Badent über, der 1884 hier eine Metzgerei einrichtete, die sogenannte „Untere Metzg“. Neben dieser Metzgerei im Unterdorf gab es bereits nach 1860 eine „Obere Metzg“ im Brennterwinkel, also  im Lindenberger Oberdorf. Letzter Besitzer der „Sonne“ war Luis Kerber.

 

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