Die Gastwirtschaft zur Krone

von Georg Grübel

 

Das Kerngebäude des alt-ehrwürdigen Gasthofes zur „Krone“, Hauptstraße 60, stammt noch aus österreichischer Zeit (wohl aus dem 17. Jahrhundert).

Gasthaus und Hotel Krone um 1917

Zur „Krone“ gehörten über die Jahrhunderte hinweg auch eine  größere Landwirtschaft, die Stallungen für die Gäste, ein großes Gebäude für eine Brauerei und für eine Schmiede.  Die Wirte hatten ja in früheren Zeiten oft mehrere Berufe: Landwirt, Brauer, Salzfaktor, Schmied und hier ggf. auch Pferdehändler.

 

         Nach Hermann Stoller lassen sich die Wirte lückenlos bis ins 17. Jahrhundert zurück nachweisen. So war vor 1700 ein Jakob Stiefenhofer Kronenwirt. Der Nachweis dafür ist im „Amts-Zinsbuch des Oberamtes Bregenz zum 1.1.1700“ enthalten. In diesem Dokument sind die jährlichen Zinsen von „Mühlen, Badstuben, Tavernen, Schmitten, Backofen und andere ehrhafte Zinsen“ aufgezeichnet. Der Eintrag zur „Krone“ lautet: „Jacob Spihler, Felixen Sohn, zuvor Jacob Stiefenhofer,  von der Wirtschaft  2 Gulden 17 Kreuzer  1 Heller,  mehr vom  Salz“.  Dieser Jakob Spieler kam auf die „Krone“, indem er die Witwe Magdalena Fink des vorangegangenen Kronen-Wirts Jakob Stiefenhofer heiratete. Im Protokoll der „Vereinödung“ (Flurbereinigung) von 1771 ist als Besitzer der Kronenwirt und Brauer Franz Anton Spieler eingetragen. Der Besitz umfasste damals 20 Jauchert (12ha). Nach dessen Tod am 20. März 1790 wurde das 12 Winterfuhren große Gut geteilt.

 

          Die Kronenwirtschaft mit Brauerei und 7 Winterfuhren Grund übernahm  –mit 21 Jahren gerade volljährig – Johann Georg König, ein Mündel von Franz Anton Spieler. Hermann Stoller schreibt dazu: Johann Georg König (geboren 1769) heiratete im Jahr 1790 die Franziska Ellgaß, Tochter des Hirschwirtes Anton Ellgaß. Die beiden Jungvermählten erwarben die „Krone“ mit Brauerei. Sie sind die Stammeltern der Krone-Linie der Lindenberger König. Damit befanden sich damals drei der sechs Lindenberger Wirtschaften im Besitz von „Königen“. Alle diese drei König-Wirte waren Nachbarn: Das Rössle, das Stammhaus der König, war damals im Besitz von Johann Michael König. Er war ein Vetter der beiden Brüder auf der daneben stehenden „Krone“ und auf dem gegenüber liegenden „Kreuz“. Das „Kreuz“ war im Besitz von Franz Josef König, von 1808 bis 1822 erster Bürgermeister der 1808 geschaffenen bayerischen Gemeinde Lindenberg. Joh. Georg König gehörte ab 1818 auch zu den gewählten Gemeindebevollmächtigten in Lindenberg.

 

         Laut  Leonhard Kleinle folgte als Besitznachfolger des Johann Georg König sein Sohn Josef Anton. Als dieser früh verstarb, heiratete seine Witwe 1855 ihren Schwager Johann Georg König, den Bruder des Josef Anton. Dem folgte dann wieder ein Johann Georg König (geb. 1839), darauf dessen Sohn Oscar König (geb. 1876).

 

         In der „Krone“ waren vom 1.1.1874 bis zum 30.6.1882 auch die erste Telegraphenstation und die Postexpedition untergebracht. Hans Stiefenhofer (Aus vergangenen Tagen, Band 4, 1995, S. 12) zitiert aus einer amtlichen Beurteilung des Bewerbers: Johann Georg König besitzt das Gasthaus zur Krone in Lindenberg, welches mitten in dem Markte an der Straße gelegen ist und ein für den Post- und Telegraphendienst sehr passables Lokal enthält. König ist sehr gut beleumdet und steht in den dreißiger Jahren und scheint nach persönlicher Überzeugung zur Erledigung des Dienstes vollkommen befähigt. Dessen Vermögensverhältnisse sind sehr gut und bieten dem Postarear auf alle Fälle hinlänglich Garantien. Das Wohngebäude desselben nebst Pertinenzen ist nämlich gewertet auf 19.641 Gulden, die zum Anwesen gehörenden Grundstücke enthalten einen Flächeninhalt von 61 Tagwerk und 67 Dezimalen und respektieren mindestens einen Wert von 20.000 Gulden. Auf diesem Gesamtbesitz haftet nur ein Übergangsschilling von 9.000 Gulden.

 

         Alt-Lindenberg erinnert sich auch noch an den „Kronenkeller“, dort wo heute die evangelische Johanneskirche steht. Erbaut wurde der Lagerbierkeller 1882/83 von Johann Georg König. Der Kronenkeller mit Wirtschaftsräumen, in denen an Sonn- und Feiertagen Bier ausgeschenkt wurde, entwickelte sich mit der großen Halle und dem Freigelände zum Mittelpunkt vieler Festlichkeiten und Gartenfeste.

 

         Auf Initiative von Oscar König, Sohn des „Kronen“-Besitzers Johann Georg König, wurde im Jahr 1900 als Anbau der Neorenaissance-Hoteltrakt gebaut. Nach dem Tod des Vaters wurde Sohn Oscar König 1904 Besitzer der „Krone“. Er verkaufte 1906 Hotel und Gastwirtschaft und gründete zusammen mit Fritz Weber ein selbständiges Bankgeschäft im  dafür gebauten Haus in der Bahnhofstraße, heute das dortige  AOK-Gebäude.

 

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