Die Gastwirtschaft zum Rössle

von Georg Grübel

 

Die ehemalige Gastwirtschaft zum „Rössle“, Hauptstraße 58, wurde vor allem durch die Initiative von Georg König (1637 – 1712) zur bedeutendsten Durchgangsstation des Lindenberger Pferdehandels.

Das Rössle 1909 - Staudter Sammlung

Zu dieser Wirtschaft gehörte zu Zeiten der größte Grundbesitz in Lindenberg. Auf einem Teil davon entstand z.B. 1901 das Bahnhofsgelände. Und die heutige Bahnhofstraße war vorher der Triebweg zu den landwirtschaftlich genutzten Feldern des „Rössle“.

   

       Georg König, geboren in Heimhofen, Pfarrei Grünenbach, war Sohn des Steurers Anton König des Gerichts Grünenbach. Er heiratete um 1673 auf das „Rössle“, wo man seit ca. 1660 „gewirtet hatte“. Im Schaffbuch, d.h. den Urkundenabsschriften, des Gerichts Kellhöf findet sich unter 12.7.1698 der Eintrag, dass Ursula Ellgaß die Wirtschaft an ihren Tochtermann Georg König verkauft hat, der darauf schon 15 Jahre „gehaust hat“. Georg König war Wirt, Bauer und Rosshändler. Mit seiner Frau Katharina Bildstein (1654 – 1715) hatte er 15 Kinder und wurde zum Stammvater der „Lindenberger König“. Sein Nachfolger als Rösslewirt war sein Sohn Anton König. Sein Enkel Joseph König hat die Kreuzwirtschaft erworben, sein Urenkel, der „Kreuz“-Wirt Franz Josef König, war 38 Jahre Ortsvorsteher in Lindenberg, und dessen Bruder, Johann Georg König, wurde der erste „Kronen“-Wirt mit dem Namen König.

 

        In den Westallgäuer Heimatblättern (1935, 6. Band, S. 17) steht zu lesen: Der erste bekannte Pferdehändler war Hans Georg König, …. Er reiste mit den Pferden bis nach Palermo und Messina auf Sizilien. Demnach war er der erste Lindenberger, der den Pferdehandel in die Hand nahm und große Reisen machte, um Handelsbeziehungen anzuknüpfen und auszuwerten. Nur durch solche zu außenstehenden Handelskreisen, in diesem Falle zu italienischen, ist es auch zu erklären, dass es diesem Handelspionier gelang, den Pferdehandel über Lindenberg zu leiten, das weder eine günstige Lage, noch gute Verbindungsstraßen in die Waagschale zu werfen hatte. Aber Hans Georg König hatte den eisernen Willen und den nötigen Einfluss, dass das unansehnliche kleine Gebirgsdorf Lindenberg der Durchgangspunkt des Pferdehandels wurde und Lindenberg eine Beschlagstation erhielt, wo die Pferde für die weite Reise ausstaffiert wurden.

 

         Und weiter heißt es dort: Oft waren 20 - 40 und noch mehr Lindenberger auf Reisen nach Italien. Die Pferde kamen von Holstein, Mecklenburg, Oldenburg, Friesland und Hannover und gingen bis nach Rom und Neapel, der Großteil verblieb in Oberitalien, in Mailand, Turin und Florenz. Braucht man sich da wundern, wenn viele Lindenberger des Italienischen mächtig waren? Die Knechte bekamen gewöhnlich vom Tage der Abreise bis zur Rückkehr pro Tag einen Kronenthaler = 2 fl 42 kr. Dies war für die damalige Zeit ein außergewöhnlich hoher Lohn. Es war das Vier- bis Fünffache was ein Tagelöhner verdiente. Stallmeister und die mit der Oberaufsicht und Leitung des Geschäftes Betrauten wurden entsprechend höher bezahlt. Der Pferdehandel brachte den Lindenbergern große Summen Geldes ein, viele Tausende von Gulden als reinen Verdienst.

 

         Der letzte Rösslewirt namens König war Bonaventura König (1813 – 1863). Ausweislich eines Reisepasses vom 6. April 1847 hat er damit innerhalb von neun Monaten sechsmal einen Pferdetransport nach Mailand und einen weiteren Transport nach Turin unternommen.  Nach ihm wurde durch Heirat Johann Georg Reichart (1825 – 1895) neuer Rösslewirt; er hatte im Jahr 1864 die zweite Ehefrau des 1863 verstorbenen Bonaventura König geheiratet.

 

         Der letzte Pferdetransport durch Lindenberg, im Jahr 1868, machte noch in den großen Stallungen des „Rössle“ Station. Durch die neue Möglichkeit des Pferdetransports per Eisenbahn hatte Lindenberg seine Bedeutung als Umschlagplatz des Pferdehandels verloren.  Doch Lindenberger haben noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts vom Pferdehandel profitiert: Die „Mailänder Huber“, die Gebrüder Antonio, Martino und Gebhard Huber, haben bis 1918 in Mailand eines der größten Handelshäuser für Luxuspferde betrieben. Sie waren späte Nachkommen des Rösslewirts Georg König und haben sich als große Wohltäter ihrer Heimatgemeinde erwiesen. Dafür wurden sie 1897 zu Ehrenbürgern der Marktgemeinde Lindenberg ernannt.

Quelle: nachgelassene Notizen von Hermann Stoller (2009),

Westallgäuer Heimatblätter

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