Die Gastwirtschaft zum Kreuz

von Georg Grübel

 

Die Gastwirtschaft zum „Kreuz“ befand sich im ehemaligen Bauernhaus der „Kuh-Rädler“ an der Hauptstraße 47, Ecke Kreuzhofstraße.

Gasthof zum Kreuz - Stiefenhofer Band 6, S. 17

Das Haus wurde 1962 abgebrochen und durch das heutige Geschäftshaus ersetzt.

 

         Die Wirtschaft „zum Kreuz“ entstand, wie die „Traube“, aus einer Bäckerei. Josef König, ein Enkel des Rösslewirts Georg König, hat das „Kreuz“ um 1750 erworben. Er starb 1773 mit 54 Jahren. Seine Witwe mit drei minderjährigen Söhnen hat die Wirtschaft und Bäckerei bis 1780 weitergeführt und dann ihrem ältesten Sohn Franz Josef König übergeben. Sie selbst heiratete in diesem Jahr Joseph Keller, den Braumeister vom „Bräuhaus“, und zog mit ihren noch minderjährigen Söhnen Josef Anton König (geboren 1765) und Johann Georg König (geboren 1769) dorthin. Johann Georg König wurde später der erste „Kronen“-Wirt namens König.  

 

        Der Kreuzwirt Franz Josef König (1769 – 1822) war 1784, als Lindenberg noch zu Vorarlberg gehörte, zum Geschworenen des Gerichts Altenburg gewählt worden und war seitdem Ortsvorsteher von Lindenberg. Bei den ersten Gemeinderatswahlen zu bayerischer Zeit, im August 1818, wurde er zum Gemeindevorsteher gewählt. Er ist damit der erste in der Reihe der <Lindenberger Bürgermeister>. Seine bayerische  Amtszeit  vom  19.5.1808 bis zu seinem Tod am 29. 6.1822 betrug über 14 Jahre. Wenn man die Zeit als Ortsvorsteher des vorarlbergischen Dorfs Lindenberg mit einrechnet, kommt man auf eine Amtszeit von fast 38 Jahren.

 

        Vermutlich waren die Kreuz-Wirte, wie viele der König-Verwandten, neben ihrem Beruf als Bauer auch noch Pferdehändler. Jedenfalls erlosch die Linie der Kreuzwirt-König mit dem Sohn von Franz Josef König, Wilhelm Placidus König. Dieser starb im Alter von nur 33 Jahren auf einer Reise als Pferdehändler am 21.10.1825 in Italien, in Susa im Piemont.

 

         Um 1859 erwirbt Martin Rädler, der älteste Sohn des Käsegroßhädlers Alois Rädler und Bruder von Lorenz Rädler, für 10.650 Gulden den größeren Teil der Keuzwirtschaft. Er verpachtete die „Wirtschaftsgerechtsame“, d.h. die Gaststätten-Konzession, an die neue Gastwirtschaft „zum Bad“ bis diese eine eigene Konzession erhielt, und daraufhin für drei Jahre an den Eigentümer der neu erbauten Gastwirtschaft  „Bayerischer Hof“.  Später erlosch die Konzession für das „Kreuz“, vermutlich wegen Nichtinanspruchnahme.  Seit Übernahme durch Martin Rädler wurde das Anwesen nur noch landwirtschaftlich genutzt. Es wurde jetzt eben der „Kreuzhof“ der „Kuh-Rädler“. Martin Rädler betätigte sich auch erfolgreich als Salzhändler: Er erhielt von der Bayerischen Salinenverwaltung das Recht zum Alleinhandel von Salz zwischen Lindau und Immenstadt, später auch zwischen Isny, Wangen und Leutkirch. Ob dieses Gewerbe auch auf die Herkunft von Martin Rädlers Mutter zurückzuführen ist? Seine Mutter war eine Tochter des „Salzmetzlers“ Johannes Rupp in der früheren Hirschbergstraße 11. Auf diesem Haus lag eine „Salzgerechtsame“.

 

Quelle: Nachgelassene Notizen von Hermann Stoller (2009)

und Hans Stiefenhofer „Aus vergangenen Tagen“

 

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