Bismarckstraße

Da die Lindenberger nicht nur stets gute Bayern waren, sondern auch begeisterte Deutsche, gedachten sie der Gründung des Deutschen Reiches 1871 durch Fürst Otto von Bismarck und gaben dieser Straße seinen Namen.

Die Bismarckstraße war lange Zeit ein Sorgenkind. Einen Begriff von dem ungeheuren Bedarf an Auffüllmaterial können wir uns heute noch machen, wenn wir die Tiefenlagen der Gärten hinter den Hausnummern 2, 4, 6 und 8 mit der heutigen Führung der Bismarckstraße vergleichen. Der westliche Teil der Straße, etwa vom Postamt bis Hausnummer 14, war für den Fuhrwerksverkehr so ziemlich bereitgestellt. Dagegen machte der Ausbau der kurzen Strecke von Hausnummer 14 bis zur Einmündung in die Nadenbergstraße und erst mit dieser in die Hauptstraße wegen Weigerung der Grundstücksabtretung ungeheure Schwierigkeiten. Die Verbindung kam dann allerdings doch noch notdürftig zustande, war aber für den Fuhrwerksverkehr, der sich gerade zum östlichen Teil – Mayser-Milz, Reich und Färberei und Bleicherei – besonders lebhaft gestaltete, mehr als ungenügend. Gerade die Einmündung der Bismarckstraße in die Nadenbergstraße und von der erst in die Hauptstraße war wegen der Höhenlage der Gärten und ihren Bepflanzungen höchst unübersichtlich und, wie ein alter Fuhrmann sich äußerte, voll „Engetei“.  Gar manchen Fuhrwerkszusammenstoß hat es dort gegeben. Endlich gelang es gegen Ende 1934 auch den östlichen Teil der Bismarckstraße auszubauen bzw. zu erweitern; die Fuhrwerke aus der Bismarckstraße oder Nadenbergstraße können sich jetzt genügend ausweichen. Zur Anlegung des freien Platzes vor der Firma Mayser-Milz und gleichzeitiger Errichtung des Brunnens hatte sowohl letztere wie auch Otto Fischer und Familie Jgnaz und Georg Specht ganz beträchtliche Flächen der Stadt unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

 

Im Laufe der Jahre hatte sich auch der Bismarckplatz entwickelt [heute Teil des  Areals Feneberg-Kaufmarkt / Haisermann-Intersport]. Schon 1926 ersuchte die Stadtverwaltung bei der Oberpostdirektion Augsburg um Beseitigung der dort gelagerten Telefonstangen. Als nach mehr als einem Jahre dem Wusch entsprochen ward, musste der Platz erst aufgefüllt werden. Hierzu hatten sich hiesige Firmen mit vielen freiwilligen Fahrten zur Verfügung gestellt. Dann erfolgte die Anpflanzung des Platzes durch die beiden Gärtnereien Reizle und Nuber, und 1936 wurde der Musikpavillon errichtet. Die Linden an der Nordwestseite der Bismarckstraße wurden schon 1901 vom ehemaligen Verschönerungsverein gepflanzt. Da sie in ungeeignetes Auffüllmaterial gesetzt wurden, verkümmerten die Linden viele Jahre, haben sich aber nun doch zu stattlichen Bäumen entwickelt.

 

                                                                                                                                       [GG 3/2013]

 

Das Sorgenkind

 

Bismarck, Erbauer eines Reiches

der Schmied ward‘ er genannt,

auch unsere Stadt gedacht‘ des Mannes

es wurd‘ eine Straß‘ nach ihm benannt.

 

Nie war die Straße seines Namens würdig,

sie ist ein Stief- und Sorgenkind,

darüber Väter, Söhne, Enkel weinten

die Seufzer hat verweht der Wind.

Der Bürger sieht, wie man hier baut

gewerkelt wird zwei Jahre schon,

bald ist sie See, dann wieder Sumpf

bezahlt wird hierfür hoher Lohn.

 

Das Wirtschaftswunder wird gepriesen,

doch Väter fraget wer dort wohnt,

wie hoch der Umsatz dort gestiegen

ob ein Geschäft sich dort noch lohnt?

 

Die Frauen putzen sich zu Tode,

der Autofahrer kriegt ‘nen Schreck,

beschmutzt wird jeder, der da gehet

von dem dort treu gehegten Dreck.

 

Fünfzig Jahre sind es heuer,

dass Lindenberg zur Stadt ernannt

und fünfzig Jahre zahlt man Steuern

der Stadt ist dies nicht unbekannt.

 

Mit Fug-man wohl noch hoffen dürft‘

dass dieses Werk geling

und käm‘ ein Kaiser noch hinzu,

dann wär’s nach Bismarcks Sinn.

 

F.M., Lindenberg, 24.4.1964