Antoniusplatz (früher Schulstraße)

Die Schul-, Markt- und Hirschstraße, einschließlich der mittleren Hauptstraße, sind seit urdenklichen Zeiten das Herzstück Lindenbergs.

Und die Schlagader dieses Herzens war seit 1255 die Aureliuskirche, als örtliche Pfarrkirche mit dem Friedhof. Als dann 1784 der Schulzwang eingeführt wurde, baute die Pfarrgemeinde an das alte Mesnerhaus, gegenüber der Aureliuskirche, das erste Schulhaus. Nun war der Lebenskreislauf vollständig: Taufe – Schule – Hochzeit und Grabesruhe. Bis 1877 reichten die zwei Klassenzimmer (Erdgeschoss und I. Stock) für die Schülerzahl aus (90 – 100). Als aber so um 1875 die Strohhutmacherei, die bisher ausschließlich in Heimstätten betrieben wurde, sich industrialisierte, der Aufschwung auch die Bautätigkeit anregte, mussten fremde Arbeitskräfte herangezogen werden, was die Folge hatte, dass die Zahl der schulpflichtigen Kinder geradezu rapid zunahm. Der Neubau eines Schulhauses mit mindestens 6 Klassenzimmern war dringend geboten. Am 1. 10. 1877 wurde das neue Schulhaus (heute 1964 Berufsfachschule [jetzt Antonio-Huber-Schule]) am Antoniusplatz eröffnet.  Nach kaum einem Durchschnittslebensalter hatte sich die Schülerzahl wieder derart vermehrt, dass an einen Neubau gedacht werden musste, der mindestens die doppelte Zahl der Klassenzimmer zur Verfügung haben musste. Am 1. 5.1910 konnte die heutige Volksschule eröffnet werden. Für das alte Schulhaus am Antoniusplatz kam dann ein reichliches Rätselraten auf, bis am 1. 10. 1911 die Haushaltungsschule einzog, aber schon am

1. 10. 1935 aufgehoben wurde. Dafür aber mehrte sich die Schülerzahl der 1920 gegründeten Städtischen Oberschule, die notgedrungen im Volksschulgebäude untergebracht war. Und als dann am 1. 10. 1938 die Berufsschule im alten Schulgebäude am Antoniusplatz eröffnet wurde, trippelten und sprangen nahezu 2000 Schüler die Schul-, Markt- und Hirschstraße ihren Bildungsstätten zu.

 

Eine andersseitige Verkehrsbelebung erfuhr die Schulstraße [heute Teil der Hirschstraße am Bräuhaus] durch die Eröffnung der Turnhalle (15. 9. 1924), die als solche nicht nur dem Turnverein sondern auch den Schulen zur Verfügung stand. Theater, Musik und Versammlungen aller Art wechselten sich gegenseitig ab. Die Schulstraße kann sich rühmen, nahezu ein Jahrhundert den lebhaftesten Fußgängerverkehr bewältigt zu haben.

[GG 3/2013]

nach: Leonhard Kleinle (Zeitung 3.9.1964)