Käsestadt Lindenberg in der Übersicht

1. Episoden aus der Geschichte der Käsestadt Lindenberg  

2. Was hat das Hallenbad mit Lindenberger Käse zu tun?

3. Erste Käsehandelsfirma  hatte Wurzeln in Lindenberg

4. Käsegroßhändler spielten wichtige Rolle in Lindenberg

5. Alois Rädler  

6. Milchkäufer in Lindenberg

7. Baldauf - Rohmilchkäse  

8. Kohler - Schmelzkäse  

9. Kraft Velveta  

10. Bonifaz Kohler GmbH  

11. Prof. Anton Fehr  

12. Lindenberger haben den Käse in ihre Keller gerollt  

13. Genossenschaftliche Milchverwertung  

14. Bayernland e.G.  

15. Internationales Käse- und Gourmetfest

 

 

Zu den Einzeltafeln:

Tafel Nr 1: siehe Text oben

Tafel Nr 2 Was hat das Hallenbad mit Lindenberger Käse zu tun? Im Jahr 1955 baute die Firma Kraft GmbH als damals modernstes Käsewerk Europas ein neues Kühl- und Lagerhaus. Dabei entstand bei den Lindenbergern die Idee, die Abwärme aus dem Kühlhaus für die Temperierung eines Hallenbades zu nutzen. 1970 gründete sich mit dieser Überlegung ein Förderverein. Im Jahr 1975 wurde das heutige Hallenbad eingeweiht und einige Jahre lang durch die Abwärme der daneben liegenden Kühlanlage von Kraft bewärmt. So kam die Stadt Lindenberg über den Ausbau des Käsewerks zu ihrem Hallenbad.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 3 Erste Käsehandelsfirma hatte Wurzeln in Lindenberg Der erste Allgäuer Käsefernhandel ist für das Jahr 1781 für eine Fa. F.X. Stadler & Co. verbrieft: Der Goßholzer Franz Xaver Stadler betrieb das Geschäft in Ulm, Anton Rädler besorgte den Einkauf von Bergkäse auf den Staufener Alpen. Schwiegervater der beiden war Franz Anton Leber, der bis 1755 Teilhaber an der ersten Lindenberger Hutcompagnie war. Josef Aurel Stadler, ein Sohn von Franz Xaver Stadler, wurde in Oberstaufen einer der wichtigsten Allgäuer Käsepioniere. Er brachte 1827 den Schweizer Käser Johann Althaus ins Allgäu . Dieser revolutionierte hier das Käsen durch Herstellung von zentnerschwerem Allgäuer Emmentalerkäse in Tal-Sennereien.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 4 Käsegroßhändler spielten wichtige Rolle in Lindenberg Die Käsegroßhändler waren bis etwa 1890 die wichtigsten Steuerzahler in Lindenberg. Zu ihnen gehörten Johann Ev. Keller aus Goßholz. Er machte ein Vermögen mit Weichkäsen und war 1860 bis 1884 Bürgermeister, Der Käsegroßkaufmann Alois Rädler gründete 1861 die Textilwerke Bremenried. Sein Sohn Lorenz Rädler richtete 1893 die erste elektrische Straßenbeleuchtung in Lindenberg ein und baute hier 1902 ein Elektrizitätswerk. Der Käsefabrikant Aurel Kohler war als einer der wichtigsten Lokalpolitiker maßgeblich am Entstehen der neuen Stadtpfarrkirche beteiligt. Martin Baldauf gründete 1862 das Käseunternehmen Baldauf, das heute in fünfter Generation geführt wird.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 5 Alois Rädler Johann Hirnbein, Vater des "Alpkönigs" Carl Hirnbein, gründete 1830 eine Handelsfirma und schloss dazu mit dem Lindenberg er Handelsmann Alois Rädler ( 1798 - 1877) als Teilhaber einen Gesellschaftsvertrag zur Errichtung eines gemeinschaftlichen Käsehandels. Rädler machte sich 1844 in Lindenberg selbständig und wechselte nach dem bisherigen Handel mit „Limburger" bald auch zur neuen Käsesorte „Emmentaler". Die als Nebenprodukt anfallende Butter wurde zu einer weiteren Großhandelssparte, besonders als durch Eröffnung der Nord-Süd-Bahn 1853 ab Röthenbach ein schneller Eisenbahntransport möglich wurde. Das Käseunternehmen Alois Rädler bestand vier Generationen lang bis 1959.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 6 Milchkäufer in Lindenberg Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schlossen sich fast alle Bauern im Allgäu zu Milchgenossenschaften zusammen. Sie boten ihre Milch und die Nutzung des örtlichen Sennereilokals meistbietend sogenannten Milchkäufern an. Diese ließen in den Sennereien vor allem Emmentalerkäse herstellen. Etwa zehn Milchkäufer errichteten damals ihren Geschäftssitz in Lindenberg. Dafür wurden in Lindenberg mehrere große Käsekeller angelegt, von denen heute noch einer durch die Firma Baldauf genutzt wird. Solche Reifekeller für Käse waren bis zur Einführung mechanischer Kühlanlagen notwendig, um guten fm.meotplerkä.se zu produzieren.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 7 Baldauf - Rohmilchkäse Martin Bald auf ( 1823 - 1882) gründete 1862 in Goßholz eine Firma zur Herstellung und Vermarktung von Emmentalerkäse. Auch Buttergroßhandel gehörte zum Geschäft. So kamen z.B. bei der Bahnstation Röthenbach 1866 während der Wintermonate wöchentlich ca. 300 Zentner Butter zur Anlieferung . Die Firma Gebr. Baldauf GmbH ist mit ihren Sennereien eine vielfach ausgezeichnete Spezialfirma für Rohmilchkäse. Zum Sortiment gehören handwerklich gefertigte Käsesorten wie Bergkäse, Emmentaler, Bauernkäse und Brie. Bis zu 10.000 Käselaibe aus den Baldauf Sennereien ruhen und reifen 6 bis 16 Monate in den unterirdischen Reifekellern in Goßholz

Erinnerung Stadtgeschichte 2010 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 8 Kohler-Schmelzkäse Das Schmelzkäse-Verfahren zur Konservierung von Käse wurde vom Schweizer Walter Gerber in Thun entwickelt und dort ab 1911 zur Käseveredelung eingesetzt. Schmelzkäsepionier in Lindenberg war Reinhard Kohler, Inhaber der vom Vater Aurel Kohler geerbten Käsefirma in Goßholz. Er hatte Schmelzkäse als Internierter im Ersten Weltkrieg in der Schweiz kennen gelernt. Nach ersten Versuchen mit Schmelzkäse 1923 in Goßholz, erbaute er 1924 zur industriellen Produktion die „Kohler-Werke“ in Lindenberg. Die Kohler-WerKe wurden 1935 von der amerikanischen Kraft Cheese Company übernommen, die seit 1927 in Deutschland tätig war.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 9  Kraft Velveta James Lewis Kraft begründete 1903 in Chicago die Kraft Cheese Company. 1927 wurde in Hamburg zum Import von Chesterkäse eine Niederlassung gegründet. Unter Leitung von Edwin Kenworthy-Kohlhaas kam der Firmensitz 1935 nach Lindenberg, wo Kraft mit Übernahme der Kohler-Werke eine eigene Produktion begann. Der erste Markenartikel war 1937 <Velveta>, ein von J.L.Kraft selbst entwickelter Schmelzkäse auf Chester Basis. Velveta wurde während der „Fresswelle11 nach dem Krieg zu einem geschätzten Artikel. Dem Unternehmen erbrachte dies gute Gewinne, der Stadt beachtliche Steuereinnahmen sowie internationale Bekanntheit. <Kraft Scheibletten> wurden ab 1956 ein weiterer großer Erfolg.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 10 Bonifaz Kohler GmbH Die Bonifaz Kohler GmbH Lindenberg ist eine Tochter des europäischen Käseunternehmens Hochland SE in Heimenkirch. Sie betreut die Eigenmarken von SB-Handelsketten, z.B. Aldi. Der Name weist darauf hin, dass auch Hochland seine Wurzeln in Lindenberg hat: Georg Summer, Stiefsohn des Goßholzer Käsegroßhändlers Bonifaz Kohler, gründete 1927 mit seinem Schwager Robert Reich das Schmelzkäseunternehmen <Hochland>. Begonnen wurde in Goßholz. Im Jahr 1931 wurden Produktion und Firmensitz nach Heimenkirch ins Betriebsgebäude der vormaligen Lindenberger Hutfabrik Hagspiel verlegt. <Hochland> ist heute einer der größten Hersteller und Veredler von Käse in Europa.

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Tafel Nr 11 Prof. Anton Fehr Der Reichstagsabgeordnete und Minister Anton Fehr (1881 -1954) wurde in Lindenberg als Sohn des Hutfabrikanten und späteren Bürgermeisters Josef Fehr geboren. Er hat die bayerische Milchwirtschaft als Politiker und Hochschulprofessor nachhaltig beeinflusst. 1917 zum Königlichen Professor an der Landwirtschaftsakademie Weihenstephan ernannt, war Anton Fehr 1920 - 1933 Reichstagsabgeordneter des Bayer. Bauernbundes, 1922 Reichsminister für Ernährung und 1924 - 1930 Bayer. Staatsminister für Landwirtschaft. Nach 1945 nahm Fehr wesentlichen Einfluss auf die Neuordnung der Milchwirtschaft in Bayern. Die Käserei-Versuchsanstalt in Weiler wurde nach ihm benannt.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Tafel Nr 12 Lindenberger haben den Käse in ihre Keller gerollt. Viele Lindenberger haben in den letzten Kriegstagen im Jahr 1945 ihren Emmentalerkäse nicht zum Bahnhof gerollt (wie es in einem Schlager von 1926 hieß), sondern in den eigenen Keller. Damals wurden die Käselager in Lindenberg an die Bevölkerung verteilt. Es gab 20 kg pro Kopf, Kinder eingeschlossen. Das war etwa soviel wie die Ration eines Normalverbrauchers während der gesamten Kriegszeit. Das half, die Hungerperiode nach dem Krieg erträglicher zu machen. Aus dieser Zeit stammt die Lindenberger Köstlichkeit „Emmentaler- und Chesterkäse bestrichen mit Marmelade ohne Brot". Erinnerung Stadtgeschichte 2011

Tafel Nr 13 Genossenschaftliche Milchverwertung Um Kosten und Personal zu sparen, wurden in den 1950er Jahren überall Sennereien zusammengelegt. So entstand 1957 die "Westallgäuer Milchverwertung". Eine neu erbaute Molkerei dieser Genossenschaft nahm 1961 in Lindenberg an der Staufner Straße ihren Betrieb auf. Das neue Unternehmen verarbeitete 1970 mehr als 35 Millionen Kilogramm Milch. Im Jahr 1975 wurde das Werk in Lindenberg stillgelegt und eine neue Produktionsstätte in Simmerberg eröffnet. Das Milchaufkommen erreichte dort 1981 mit 68 Millionen kg einen Höchststand. Nach 1987 wurde die Milch in der "Aurel-Stadler-Käserei" Schönau verarbeitet. Erinnerung Stadtgeschichte 2011

Tafel Nr 14 Bayernland eG Die Bayernland eG ist ein genossenschaftliches Unternehmen, das 1930 in Nürnberg gegründet wurde. Seit damals hat sich die Firma zu einem der führenden Vermarkter von Milchprodukten in Europa entwickelt. Im Jahr 1983 hat Bayernland das Lindenberger Käsewerk von Kraft Foods übernommen. Das Werk zählt zu den größten Schmelzkäsewerken in Europa. Seit 1. April 2012 gehört das Schmelzkäsewerk zur Firma Schreiber & Rupp GmbH mit Sitz in Hörbranz. Der US-Konzern Schreiber ist weltweit die Nummer eins auf dem Schmelzkäsemarkt. Das Familienunternehmen Rupp AG aus Vorarlberg gehört zu den größten Käseproduzenten in Osterreich. Erinnerung Stadtgeschichte 2012

Tafel Nr 15 Internationales Käse- und Gourmetfest Im Jahr 2001 wurde in Lindenberg die deutsche Sektion der internationalen Guilde des Fromagers Saint Uguzon gegründet. Initiator dafür war der heutige Ehrenpräsident der Gilde Johannes Münnich. Er hatte 1955 seine Käselaufbahn bei der Firma Kraft in Lindenberg begonnen. Unter dem Motto „Käse verbindet die Städte Europas" veranstaltet seither die Stadt zusammen mit den Käsefirmen Baldauf und Bayernland jedes Jahr am letzten Augustwochenende das Internationale Käse- und Gourmetfest. Dabei werden Käsespezialitäten aus ganz Europa zum Kosten und Kaufen angeboten. Neben dem „Hut-Tag" gehört das „Käsefest“ zu den jährlichen Großveranstaltungen in Lindenberg.

Erinnerung Stadtgeschichte 2011 - Text: Dr. Georg Grübel, Bilder: Werner Budzinzki

Episoden aus der Geschichte der Käsestadt Lindenbergerstellt durch Geschichts- und Museumsverein Lindenberg undBayernland e.G. ; unterstützt durch Stadt Lindenberg;Heribert Kohlhaas, Erwin Jocham, Eugen Martin,Anton Hammer, Theo Gebele (ehem. VELVETA);Barbara Gebler-Fehr;Verkehrsverein Lindenberg.